Sonic Mania – Review

sonic mania
Im Unterschied zu Nintendos Super Mario ist SEGAs Überschall-Igel Sonic der Sprung in die dritte Gameplay-Dimension nie wirklich überzeugend gelungen. Sonic Adventure oder Sonic Colors waren gute Spiele, aber selbst sie litten darunter, dass genau das, was Sonic einst aus der Masse der Jump & Run-Helden hervorhob, nicht sonderlich gut umgesetzt war: Seine Geschwindigkeit und deren maximale Kontrolle durch den Spieler. Kapituliert vor der Herausforderung der dritten Dimension hat SEGA nie, hat aber schon vor einigen Jahren damit begonnen, weitere 2D-Episoden der Reihe zu etablieren. Das in Episodenform als Download veröffentlichte Sonic the Hedgehog 4 machte 2010 den Anfang. Auch Sonic Generations, das 2011 überraschend gute Kritiken einfahren konnte, bestach durch gelungene 2D-Abschnitte.

So gesehen ist Sonic Mania nicht ganz der Kurswechsel, als der es auf dem ersten Blick erscheint will. Ein besonderes Spiel ist es aber trotzdem. Dazu reicht ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Spiels: So wurde Sonic Mania nicht wie sonst üblich vom legendären Sonic Team bei SEGA entwickelt, sondern von einer Gruppe von Fans und Indie-Entwicklern. SEGA war auf Fan-Projekte im Internet aufmerksam geworden und hatte den Mut, den talentierten Christian Whitehead mit der Leitung mehrerer Indie-Studios zu betrauen, um, von SEGA finanziert, ein offizielles neues Sonic-Spiel zu entwickeln. Das Resultat ist Sonic Mania. Und es ist nicht abwegig zu sagen, das wir es hier mit dem besten Sonic-Spiel seit den Zeiten des SEGA Mega Drive zu tun haben.

Sonic ist wieder ganz der Alte

Sonic Mania bleibt dem Gameplay und der Inszenierung der Mega-Drive-Klassiker stets treu. Das sieht man zuerst an der Grafik, die im Stil der 16 Bit-Ära gehalten ist, aber von einer höheren Farbtiefe und zahlreichen neuen Grafikeffekten Gebrauch macht, die damals so nicht möglich gewesen wären, sich aber wunderbar in die klassische Optik einfügen. Die Steuerung beschränkt sich in ihrem Kern auf Rennen und Springen und reagiert so schnell und akkurate wie eh und je. Die Möglichkeit, aus drei Charakteren mit unterschiedlichen Fähigkeiten wählen zu können – und zwar Sonic, Tails und Knuckles – bereichert das Spiel um eine weitere Facette. Daneben bietet Sonic Mania sogar einen 2-Spielermodus, bei dem ein Spieler Sonic und ein anderer Tails steuert. In der Nintendo Switch-Version funktioniert das sogar unterwegs mit je einem JoyCon-Controller pro Spieler.

Der vielleicht interessanteste Aspekt an Sonic Mania ist allerdings die Auswahl der Level und ihre Gestaltung. Ein Großteil des Spiels führt Sonic in Adaptionen bereits bekannter Levels der Mega-Drive-Klassiker. Die spielen sich nicht nur noch heute exzellent und bringen daneben einen beträchtlichen Nostalgie-Faktor mit sich. Sie wurden auch überarbeitet und erweitert, machen Gebrauch von der heutigen Rechenleistung und einigen neuen Moves, und führen Sonic so in zusätzliche Levelabschnitte oder konfrontieren ihn mit neuen Bossen. In den zweiten Kapiteln jeder Stage betritt Sonic in der Regel neue Spielabschnitte, die allerdings auf den Elementen und Grafiken der der Vorlagen aufbauen. Und schließlich gibt es Stages, die vollkommen neu entworfen wurden und keine direkten Vorbilder haben. Gerade dort beeindruckt Sonic Mania mit überraschenden Ideen und teils atemberaubender Inszenierung. Dass die Kampagne insgesamt ziemlich umfangreich ist, sei ebenfalls nicht unerwähnt gelassen.

Sonic Mania – mein Fazit

Vermutlich wissen die Verantwortlichen bei SEGA selbst nicht, ob sie nun lachen oder weinen sollen. Mit der Entscheidung Indie-Entwicklern und Fans eine Chance zu geben, hat man den richtigen Riecher bewiesen und nach geraumer Zeit endlich wieder einen Sonic-Titel bekommen, der dem frühen Ruhm der Reihe gerecht wird. Ironischerweise brauchte es dazu externe Indie-Studios, die geschafft haben, was SEGA selbst seit 20 Jahren nicht mehr hinbekommen hatte.
Dem Spieler können derartige Abwägungen freilich egal sein: Wer für Sonic in den 90er Jahren etwas übrig hatte, kommt um Sonic Mania nicht herum. Wer nur die bestenfalls soliden, neueren Serienteile erlebt hat, erfährt beim Spielen von Sonic Mania endlich, woher die Liebe vieler Spieler zu Sonic rührt. Gibt es überhaupt Anlass zur Kritik? Höchstens, dass auch Sonic Mania stellenweise frustig sein kann. Aber die Aussicht auf die nächste spektakuläre Stage motiviert stets zum Weiterspielen. Für den kleinen Preis von rund 20 Euro ist Sonic Mania eine klare Kaufempfehlung.

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