Special: PS VR – Die Games 1/2

Nachdem ich mich im ersten Teil des Specials zu Sonys Virtual Reality-Headset PlayStation VR beinahe hauptsächlich der Hardware, dem Tragekomfort und der generellen Bildqualität widmete – mitsamt einem kurzen Ausflug zur kostenlosen Mini-Spiel-Sammlung The Playroom VR – möchte ich im zweiten Teil über einige der bisher veröffentlichten Spiele reden.

Denn was bringt die beste Hardware ohne dazugehörige Software?

Wie bereits im ersten Teil erwähnt, werden die Bewegungen des Headsets oder des DualShock 4-Controllers über die PS Kamera erfasst, die dementprechend unabdinglich zum Spielen ist. Sie erkennt dabei die Leuchtdioden, die sowohl am Headset als auch an der sonstigen Peripherie angebracht sind und bestimmt so den Standort des Spielers im Raum. Während andere VR-Lösungen mitunter von größer abgesteckten Arealen, innerhalb derer man sich frei bewegen kann, profitieren, hat man bei der PlayStation VR einen verhältnismäßig kleinen Bewegungsradius. So kann es bei bewegungsintensiven Spielen durchaus auch vorkommen, dass die Kamera den Spieler plötzlich nicht mehr erkennt und man sich neu positionieren muss. Kann mitunter ärgerlich sein, ist aber kein Beinbruch. Von größeren Problemen kann ich nicht berichten.

Aber jetzt zu den Spielen, wobei den Anfang Rocksteadys Batman: Arkham VR macht. Dies hat gleich mehrere Gründe: Erstens ist das Spiel – trotz einer eher geringen Spielzeit – ein gutaussehendes und spielerisch abwechslungsreicheres Showcase für die Fähigkeiten der PS VR und zweitens ist es das einzige der folgenden Spiele, das von mir selbst erworben wurde. Der Rest kam von Sony, damit wir die Hardware angemessen testen konnten. An dieser Stelle noch einmal Dankeschön für den Support!

Batman: Arkham VR

Rocksteadys Titel rund um den Dunklen Ritter lässt euch erneut in die virtuelle Haut des Batman schlüpfen. Diesmal jedoch mit eher eingeschränkter Bewegungsfreiheit und aus der EGO-Perspektive ermittelnd. Von der Handlung ist es zwischen den Ereignissen von Arkham City und Arkham Knight angesiedelt, weswegen wir an dieser Stelle auch nicht allzu viel verraten wollen. Nur so viel: Nightwing und Robin sind beide vermisst und Batman macht sich auf die Suche nach ihnen. Dabei müssen Spuren verfolgt, Rästel gelöst und Beweise untersucht werden.

Leider ist der Spaß nach einer guten und sehr intensiven Stunde schon vorbei. Und auch die obligatorischen Riddler-Rätsel können darüber leider nicht hinwegtrösten, auch wenn man das Spiel dann motiviert noch einmal angehen kann. Was nun erst einmal abschreckend klingt – nämlich die kurze Dauer des doch knapp 20 € kurzen Titels – macht er durch Intensität wieder weg. Wenn man zu Beginn des Spiels als Bruce Wayne auf dem Klavier herumklimpert, um den geheimen Fahrstuhl zur Bathöhle zu aktivieren, sich auf dem Weg hinab langsam das Kostüm anzieht und sich anschließend im Spiegel betrachtet, wo man selbst als Batman zu sehen ist, der den eigenen Bewegungen folgt, dann ist das ein irres Gefühl und die Erfüllung eines langen Traumes (zumindest für Batman-Fans wie mich). Ich bin Batman! Ehrlich, das war ich und das habe ich auch gesagt.

                              Da geht einem nur noch eines durch den Kopf: “Ich bin Batman”

Was darauf folgt sind noch einige weitere solcher Momente. Arkham VR verdeutlicht als Titel wunderbar, was man alles anstellen kann. Tatorte zu analysieren, in dem man auf Knopfdruck Videosequenzen vor- und zurückspult, während man diese aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, ist da genauso cool, wie in einem Leichenschauhaus nach Beweisen zu suchen, indem man die Umgebung scannt.  Und das Finale – so viel sei gesagt – wird euch noch lange in Erinnerung bleiben.

FAZIT : Batman: Arkham VR ist ein kurzweiliger Spaß, der die Fähigkeiten und immersive Wirkung der PS VR sehr gut demonstriert. Leider kann man dem Titel aufgrund seiner kurzen Spielzeit einen gewissen Demo-Charakter nicht abstreiten. Bleibt zu hoffen, dass Rocksteady sich irgendwann ein Herz fasst und einen vollwertigeren Titel erschafft. Denn am Ende wollte ich nur eines: Mehr. – 80/100

Here They Lie

Bevor Resident Evil 7 biohazard Spieler weltweit in der virtuellen Realität das Gruseln lehrte, waren es die Santa Monica Studios und Entwickler Tangentlemen, die mit Here They Lie eine der intensivsten und außergewöhnlichsten Horror-Erfahrungen ablieferten. Man folgt seiner in einem gelben Kleid herumtollenden Freundin durch eine Stadt, in der nichts ist, wie es zuerst scheint. Dabei klappern Fenster, Flure verschwinden, Schatten türmen sich plötzlich hinter einem auf, oder die Realität wird schlichtweg aus den Fugen gehoben.

Spielerisch ist dabei eher wenig geboten. Man läuft durch die Straßen, Tunnel und … nun ja, andere Umgebungen und kann mit Notizen und Telefonen interagieren, welche die Hintergrundgeschichte zumindest teilweise erklären. Es gibt keine Rätsel zu lösen oder sonstige Geschicklichkeitseinlagen zu absolvieren. Dennoch sind die skurillen Einfälle der Entwickler, sowie das klasse Sounddesign und die furchterregenden Kreaturen, denen man begegnet, so dermaßen gekonnt inszeniert, dass man eine körperliche Anspannung spürt. Motion Sickness habe ich keine verspürt, zumal man in den Einstellungen genügend Optionen zur Verfügung hat, um die Steuerung und das Erlebnis  an das eigene Empfinden anzupassen. Sehr gut!

Und so verursachte Here They Lie bei mir eine andere Art des Unwohlseins: Ich war körperlich über große Teile sehr angestrengt, gerade da ich Bilder zu sehen bekam, die mein Gehirn als “unmöglich” und “unreal” klassifizierte. Da meine Augen eine andere Ansicht vertraten, kam es zu Kommunikationsproblemen zwischen den beiden Organen und einem bedrückend realistischen Gefühl tatsächlicher Angst.

FAZIT : Here They Lie ist ein sehr guter Horrortitel, der spielerisch leider kaum etwas zu bieten hat. Dafür überzeugen Design und Aufbau des Spiels auf ganzer Linie. Nichts für schwache Nerven! Umso besser ist es, dass ein neuer Patch auch Support für die Standard PS4 und PS4 Pro bietet. So kann das Spiel auch ohne PS VR-Headset gespielt werden. Wer möchte, schaltet auf Knopfdruck zwischen den Versionen hin und her. – 80/100

RIGS: Mechanized Combat League

Bei RIGS: Mechanized Combat League handelt es sich um einen PS VR-Exklusivtitel vom mittlerweile geschlossenen Guerilla Games Cambride Studio. In dem Shooter übernehmen die Spieler die Kontroller über riesige Kampfroboter, um dann zusammen mit zwei weiteren Spielern in Arenen gegen ein anderes Team anzutreten. Dazu stehen nicht nur unterschiedliche Spielmodi und eine sehr umfangreiche Kampagne zur Verfügung, sondern auch eine Vielzahl an unterschiedlichen Mechs in jeweils drei Kategorien – sowie ein sehr gelungener Online-Multiplayer-Part.

Die Steuerung ist sehr gelungen und die Grafik ist gerade für VR-Verhältnisse richtig spitze! Allerdings empfiehlt auch das Spiel alle 15 Minuten eine Pause zu machen und die Sitzungen Stück für Stück zu verlängern. Das ist immens wichtig, da RIGS den Spielern einiges abverlangt: Schnelle Bewegungen, Geschwindigkeitsboosts, hohe Sprünge, Waffenwechsel und plötzliche Neuorientierung folgen im Sekundentakt aufeinander.

Hat man sich aber daran gewöhnt und mit der Steuerung vertraut gemacht, steht dem Spielspaß kaum noch was im Wege. Die Kämpfe fetzen, das Spiel läuft flüssig und bietet anfangs genügend Auswahl, um auch über längere Zeit begeistern zu können. Schade ist allerdings, dass man weder mit neuen Modi, noch anderen inhaltlichen Updates rechnen kann. Da Sony das Entwicklerstudio geschlossen hat, bleiben nur die Server aktiv.

FAZIT : Ein spaßiger, schneller und gut aussehender Shooter, der genügend Umfang bietet, um den Vollpreis zu rechtfertigen. Leider werden keine neuen Inhalte kommen. Wer sich daran allerdings nicht stört und gerne im Online-Multiplayer unterwegs ist, sollte zuschlagen. – 75/100

REZ Infinite

REZ ist ein Phänomen. Bereits damals für den Dreamcast und die PlayStation 2 veröffentlicht, erfreut sich der atmosphärische Musik-Shooter schon lange großer Beliebtheit und hat bei Fans mittlerweile Kultstatus erreicht. Grund genug also den Titel aufzupolieren, grafisch anzupassen und neu für die PS4 zu veröffentlichen, hat man sich wohl gedacht und das Gedachte in die Tat umgesetzt. Daraus entstand dann REZ Infinite, das nicht nur normal gespielt werden kann, sondern ebenfalls von PS VR-Support profitiert.

So bewegt man sich immer noch zum Takt elektronischer Musik durch psychedelische Level und schießt auch in VR auf Gegner und erledigt Bosse. Ganz klassisch kann man unterschiedliche Power Ups einsammeln, Rüstung aufrüsten und sich in Musik und Leveldesign verlieren. Neben dem Sog, den die VR-Version ohnehin ausübt, profitiert man von einer Zielerfassung per Kopf. Zwar müssen die Aktionen immer noch via Controller ausgelöst werden, aber bewegt man den Kopf in Richtung Gegner kann man diesen so anvisieren. Das macht Spaß und funktioniert hervorragend.

FAZIT : REZ Infinite macht nicht nur eine Menge Spaß, sondern lädt auch dazu ein sich in den abgefahrenen Welten und dem klasse Soundtrack zu verlieren. Kleiner Tipp: Die Anlage alleine wird nicht ausreichen. Setzt euch ein gutes Headset auf und dreht die Lautstärke hoch. Ihr wollte nicht mehr aufhören, ehe die Hände schweißnass und der Puls auf 180 ist. Versprochen! -85/100

Und weiter gehts…

Da wir noch eine ganze Ladung weiterer Titel spielen konnten, gibt es noch einige Berichte für euch zu lesen. Um den Rahmen dieses Beitrags allerdings nicht zu sprengen, gibt es Teil 2 der Gamesbesprechung am Montag auf den Bildschirm. Dann mit Robinson: The Journey, DriveClub VR, VR Worlds, Until Dawn: Rush of Blood und Tumbler VR.

Solltet ihr Fragen oder Anregungen haben, schreibt mir einfach – entweder auf Facebook oder hier in die Kommentare.

Schreibe einen Kommentar