Starcraft Remastered – Review

starcraft remastered
Es muss schon ein ganz besonderes Spiel sein, damit Blizzard ihm eine Neuauflage spendieren. Neben Command & Conquer ist Starcraft einer der Urväter des modernen Echtzeitstrategiespiels und mit seinem deutlich ausgefeilteren, anspruchsvolleren Gameplay zugleich der Inbegriff des eSports. Daran konnte selbst Starcraft 2 nichts ändern, das 2010 in den Handel kam und exzellenten Kritiken zum Trotz in der kompetitiven Szene nie den Stellenwert des Erstlings erreichen konnte.
Wenn es Millionenbudgets und modernste Technologien nicht richten, kehrt man am besten zurück zu den Wurzeln, muss sich Blizzard gedacht haben, und kommt mit Starcraft Remastered zugleich den Wünschen der Fans nach, die sich eine modernisierte aber spielmechanisch möglichst unveränderte Neuauflage schon lange wünschten.

Oft kopiert, selten erreicht

Dass Starcraft ein exzellentes Spiel war und immer noch ist, muss allen, die schon einige Jahre am Computer spielen, vermutlich nicht mehr erklärt werden. Was 1998 besonders beeindruckte und seither oft kopiert aber nur selten erreicht wurde, waren die drei grundverschiedenen Fraktionen Terraner, Zerg und Protoss. Damals wie heute kann man nur anerkennend staunen, dass diese drei Parteien, die sich so grundlegend anders spielen, dennoch in jeder Konstellation perfekt ausbalanciert Scharmützeln ermöglichen, bei denen am Ende der tatsächlich bessere Spieler auch gewinnt.

Die Einstiegshürde ist leider enorm hoch: Starcraft ist ohnehin schon ein komplexes Spiel, und dass ein Teil der Spieler bis zu zwei Jahrzehnte Erfahrung mitbringt, macht es Neulingen im Online-Spiel nicht gerade einfacher. Um nicht sofort frustriert hinzuwerfen, widmen sich Einsteiger am besten erst einmal der Solo-Kampagne. Die fängt einfach an, wird dann fordernd wie einst, und darf mit der bereits integrierten Erweiterung „Brood Wars“ noch fortgesetzt werden.

Blizzards Neuerungen im Detail

Interessanter dürften für die meisten Echtzeitstrategiefans allerdings die Neuerungen sein: Wer sich Sorgen machte, dass Blizzard ein eigentlich vollkommenen Spiel nur „verschlimmbessern“ könnten, darf beruhigt sein: Das erklärte Ziel der Entwickler lautete, unangetastet zu lassen, was die Spieler am Original von 1998 begeisterte, und „nur“ alles andere zu verbessern. Konkret heißt das, dass die über Jahre hinweg verfeinerte Spielmechanik und das wie beschrieben vorbildliche Balancing beibehalten blieben, während insbesondere die Grafik runderneuert und einige Komfortfunktionen hinzugefügt wurden.

Neu sind beispielsweise der Beobachtermodus und die Möglichkeit zur Verbindung mit der Blizzard App. Auch das Match-Making über das Battle.net wurde grundlegend überarbeitet und an moderne Gegebenheiten angepasst, wie überhaupt viel Wert darauf gelegt wurde, dem 20 Jahre alten Spiel all den Komfort eines modernen Strategiespiels einzupflanzen.

So unterstützt Starcraft Remastered nicht nur von Haus aus alle modernen Betriebssysteme, sondern gibt die von Grund auf neu gepixelte 2D-Grafik auf Wunsch auch im Breitbild-Format und in einer Auflösung von bis zu 4K aus. Waren die Grafiken des Originals noch starr und erlaubten keinen Zoom, darf der Spieler in Starcraft Remastered nach Herzenslust in das Spielgeschehen hineinzoomen und die liebevollen Details und Animationen der Einheiten bestaunen. Weiter als üblich herauszoomen darf er hingegen nicht – vermutlich befürchtete Blizzard, dass ein signifikant größerer Bildausschnitt das Spielgefühl zu sehr beeinflussen und dem empfindlichen Balancing so schaden könnte.

Keineswegs selbstverständlich ist, dass neben der Grafik auch der Sound des Spiels überarbeitet und die Sprachausgabe sogar komplett neu aufgenommen wurde. Ebenfalls neu ist die Option, Spielstände in der Cloud speichern zu können, und aus insgesamt 13 Sprachen zu wählen. Alt hingegen, aber heutzutage nicht immer selbstverständlich: Der Offline-LAN-Modus.

Starcraft Remastered – mein Fazit

Starcraft Remastered ist ein behutsames Remaster, das abgesehen von einigen Ergänzungen der Story, die wirklich nicht der Rede wert sind, tatsächlich nur an den technischen Aspekten des Originals rüttelt: Die nun detailverliebte und somit noch atmosphärischere Grafik ist eindeutig die auffälligste Änderung im Vergleich zur Version aus dem Jahr 1998. Auf Dauer könnten aber gerade die sinnvollen Komfortfunktionen und die verbesserte Kompatibilität mit moderner Hardware dem Spiel einen zweiten Frühling bescheren.
Spielerisch ist Starcraft ohnehin so gut wie eh und je, was leider auch bedeutet, dass Neueinsteiger es schwer haben dürften. Ob Blizzard besser auch das in die Jahre gekommene Interface verändert hätte, ist eine Glaubensfrage. Fakt ist, dass Starcraft Remastered viel Micromanagement und viele Mausklicks erfordert – eben so, wie der eSports-Klassiker das schon immer tat.

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