Syberia 3

Fans der Syberia-Adventures, in denen die Anwältin Kate Walker die Hauptrolle spielt, mussten lange Zeit auf eine Fortsetzung warten. Bereits im Jahr 2009 verkündete Microids, dass man entsprechende Pläne verfolge, bevor knapp drei Jahre später erste Artworks zum Titel präsentiert wurden. Jetzt, im Jahr 2017, wurde Syberia 3 endlich veröffentlicht. Ob sich das lange Warten gelohnt hat, oder ob nur Hardcore-Fans überhaupt einen Blick riskieren sollten, klärt unser Test.

Spannende Geschichte – Für Fans noch spannender

Die Geschichte des 3D-Adventures Syberia 3 beginnt erst einmal richtig spannend. Protagonistin Kate erwacht in einem Sanatorium aus einem Koma. Ihre Erinnerungen sind verschwommen, ihr Hab und Gut verschwunden. Kurk, der spirituelle Führer eines kleinwüchsigen Nomadenstammes namens Youkol, erklärt ihr, dass sein Stamm sie ohnmächtig in der Eiswüste Syberias fand. Nach einem Unfall blieb sie dort schwerverletzt zurück, dem Tode nahe. Die Youkol nahmen sich ihrer an und pflegten sie nach bestem Können, ehe man sie in das Krankenhaus nahe der Stadt Valsimbour übergab. Doch von dort möchte man sie nicht gehen lassen, denn zwielichtige Ärzte, ein Verfolger aus ihrer Vergangenheit und eine mächtige Militärmiliz wollen sie unschädlich machen. Und so beginnt Kates Abenteuer mit der ersten Aufgabe: Entkomme aus dem Krankenhaus, befreie Kurk, ohne den die Youkol ihre heilige Pilgerfahrt nicht fortsetzen können und trotze dem Militär. Kein leichtes, aber ein spannendes Unterfangen.

Ohnehin gilt, dass die Handlung des Spiels durchaus interessant und mitunter auch richtig spannend erzählt wird. Man trifft einige schillernde Nebenfiguren, die teils tragische Geschichten zu erzählen haben und einen noch tiefer in das Universum eintauchen lassen. So entstehen im Verlauf der knapp 15 Stunden (je nach Spielweise und gewähltem Schwierigkeitsgrad kann das natürlich varrieren) andauernden Kampagne auch durchaus emotionale Momente. Interessanter ist Syberia 3 allerdings für diejenigen, die die ersten zwei Teile gespielt haben. Es gibt nicht nur Anspielungen, sondern auch einige Namen und Ereignisse, die genannt werden, die Neueinsteiger erst einmal verwirren werden. Dennoch lässt sich die in sich abgeschlossene Geschichte auch von jenen genießen, die noch niemals in Kontakt mit der Point & Click-Adventure-Reihe kamen.

Der Sprung in die Dreidimensionalität

Für den dritten Teil der Serie haben sich die Entwickler etwas besondere einfallen lassen: Statt auf ein klassisches Point & Click-Prinzip zu setzen, orientierte man sich am Ansatz der Adventures aus dem Hause Telltale. Und so steuert man Kate neuerdings durch technisch bestenfalls solide 3D-Areale mit fester Kameraperspektive, immer auf der Suche nach neuen Gegenständen oder Points of Interest (also Objekten, Wahrzeichen oder Personen) mit denen man interagieren kann. Ähnlich wie in der spielerisch freieren Bereichen der erwähnten Adventures, öffnet sich bei Annäherung an einem solchen Punkt ein Rad auf dem Bildschirm, das die Interaktionsmöglichkeiten anzeigt. So kann man sich einen Gegenstand beispielsweise ansehen, ihn aufnehmen oder benutzen, beziehungsweise mit einem Menschen reden.

Der Ansatz ist gut und in der Theorie zumindest löblich, doch leider sind Steuerung und Kollisionsabfrage nicht besonders gelungen. So kann es durchaus vorkommen, dass man einige Male an einem solchen Punkt vorbeiläuft ohne ihn auszulösen, einfach nur, weil das Spiel nicht registriert, dass man direkt davor steht. Da hilft nur: Schritt zurück, Kate ein wenig bewegen, Schritt vor und hoffen, dass es nun funktioniert. Intuitiver und weniger frustrierend wäre es, wenn die Steuerung dazu etwas genauer und weniger fummelig wäre. So steuert man die Heldin wie einen Panzer durch die Spielwelt, läuft gerne mal gegen unsichtbare Wände oder Treppen, die sie partout nicht hinaufgehen will und ärgert sich über die Kamera, die einem das Leben ebenfalls nur unnötig erschwert.

Diese sitzt meist in einer festen Perspektive, ähnlich wie in früheren Resident Evil-Teilen, und so beobachtet man das Geschehen aus einiger Entfernung. Bei jedem Bildschirmwechsel ändert sie ihre Perspektive, was in Kombination mit der vermurksten Steuerung zu folgendem Problem führen kann: Man läuft aus dem Bildschirm, hat den Finger noch auf dem Analogstick und während sich die Kameraperspektive ändert, ändert sich natürlich auch die Laufrichtung. Was passiert? Kate läuft direkt wieder zurück in den vorherigen Bildschirm. Das frustriert auf Dauer einfach und hätte man mit etwas Feintuning wesentlich besser gestalten können – und müssen.

Aber die Rätsel!

Wo die genannten Probleme für stressbedingten Haarausfall sorgen, können die Rätsel absolut überzeugen. Allzu harte Kopfnüsse mag man vergeblich suchen, aber immerhin gehen sie über “Finde Knopf A, Suche Tür B” meist hinaus. So muss man schon zu Beginn des Spiels einen Schaltkasten öffnen, wofür man ein gefundenes Messer zweckentfremden muss, um die Verkabelung anschließend neu zu justieren und eine Batterie einzusetzen, damit man einen Knopf benutzen kann, um die erste Tür zu öffnen. Wenn man später Stempelmaschinen auseinandernehmen muss, Ersatzteile herstellen und das Ding in der richtigen Reihenfolge zusammensetzen muss, um einen Pass abzustempeln, dann kann man schon erahnen, worauf das Rätseldesign hinausläuft.

Oftmals muss man sich mit mechanischen Apparaturen herumschlagen und diese reparieren oder aktivieren. Aber auch kleinere Logikrätsel finden immer wieder ihren Weg ins Spiel. Schön ist, dass man nicht allzu viel Backtracking hat, sondern die benötigten Gegenstände meist nur eins, zwei Bildschirme weiter versteckt, beziehungsweise platziert sind. So oder so: Die Rätsel sind größtenteils richtig gut gelungen und lockern das Spielgeschehen gut auf.

Technik, Grafik und Sound

Da sich gute Dinge immer mit schlechten Dingen abwechseln, kommen wir nun wieder zu einem Teil des Spiels, der leider gar nicht gelungen ist. Die Grafik ist im besten Fall solide, meist aber einfach nur altbacken. Die Texturen sind matschig und unansehnlich, die Animationen als hölzern zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung gegenüber Pinocchio und auch sonst gibt es einige Probleme. So kommt es nach jedem Ladebildschirm, die ohnehin durch lange Zeiten glänzen, zu Rucklern und kurzen Hängern, die den Spielfluss extrem stören. Dann bewegt Kate bei den Gesprächen gerne einfach nur den Unterkiefer, was nicht nur albern aussieht, sondern ebenfalls eher nach 2005 als 2017. Zwar weiß das vom belgischen Künstler Benoit Sokal inspirierte Artdesign zu gefallen, aber Syberia 3 ist der Beweis dafür, dass ein gutes Design nicht ausreicht um über gravierende grafische und technische Mängel hinwegzutäuschen.

Der orchestrale Soundtrack überzeugt dafür auf ganzer Linie und passt immer gut zu den jeweiligen Situationen. Epische klänge und ruhige Töne wechseln sich hier gekonnt ab und sind neben den Rätseln das kleine Highlight des Spiels.

Die deutsche Synchronisation

Hier möchte ich niemandem auf die Füße treten, aber die deutsche Synchro ist nicht weniger als katastrophal. Selten habe ich so gelangweiligt klingendende und unglaublich fehlbesetzte Sprecher gehört. Als wäre eine schrecklich abgelesene Sprachausgabe nicht schon genug, wurde hier auch noch bei der Implementierung ordentlich geschlampt. Manche Texte werden übertrieben schnell heruntergespult, während andere einfach mittendrin abgebrochen werden, um mit dem nächsten Satz weiterzumachen. Lippensynchronizität sucht man im Übrigen auch vergebens – aber wen wird das jetzt noch überraschen?

FAZIT

Ich habe mich wirklich auf Syberia 3 gefreut und hatte richtig Lust auf ein ordentliches Adventure. Was ich bekommen habe, waren gravierende technische und spielerische Mängel, eine furchtbare deutsche Synchro (stellt die Systemsprache der PS4 auf Englisch, dann gehts) und frustrierende Designentscheidungen. Wenn man sich trotz dieser Fehler durchs Spiel kämpft, erwarten einen allerdings eine ordentliche Geschichte, viele Anspielungen auf die Vorgänger und gut designte Rätsel.

Das Adventure mag zwar nicht gelungen sein, aber Fans der Reihe und Rätselsüchtige, dürfen einen vorsichtigen Blick riskieren. Alle anderen machen einen Bogen darum oder beißen sich dann doch irgendwie durch. Ich war mindestens genauso oft richtig genervt, wie ich Spaß hatte, weswegen ich mich zum Ende durchgekämpft hatte. Es war kein grandioses Abenteuer, aber dass es mir gar nicht gefallen hätte, das kann ich auch nicht sagen.

 

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