Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan

Die Turtles sind zurück. Einerseits steht mit Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows ein neues Kinoabenteuer rund um die mutierten Schildkröten an und auf der anderen Seite veröffentlicht Activision in Zusammenarbeit mit Entwickler Platinum Games ein Videospiel namens Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhatten. Ob der Arena-Prügler überzeugen kann und wir freudig Cowabunga rufen, oder ob wir das Super Nintendo wieder herausholen, um besser mal Turtles in Time zu spielen, klärt unser Test!

Hey, hier kommen die Hero Turtles…

Eines dabei vorneweg. Ich war ein riesiger Fan der Turtles als ich noch jünger war. Die Zeichentrickserie war mein heiliger Gral und Pizza ist bis heute hoch im Kurs bei mir zu Hause. “War” deshalb, weil passiert ist, was passieren musste: Ich wurde älter und die mutierten Schildkröten, die von ihrem ebenfalls mutierten Ratten-Ninjameister Splinter angeführt werden, haben an Reiz verloren.
Daher haben mich weder für die aktuellen Filme interessiert, noch die CGI-Serie, die ja bei Kids noch immer sehr beliebt zu sein scheint.
Allerdings bin ich nach wie vor großer Fan der Platinum Studios. Bayonetta 1 & 2 sind fantastische Games, Vanguard ein unglaublich schnelles Actionspektakel und Metal Gear Rising ein erfrischendes Spin-Off der sonst allzu ernsten MGS-Reihe.
Legend of Korra soll wohl nicht so besonders gewesen sein, das habe ich allerdings auch nie gespielt, kann es also weder bestätigen noch eventuelle Stärken verteidigen.
Für mich waren die Platinum-Spiele immer Gold wert. Selbst wenn grafisch und inhaltlich das Rad nur selten neu erfunden wurde, so konnte mich das Gameplay immer überzeugen. Die einzelnen Spielmechaniken waren immer sehr gut aufeinander abgestimmt und haben ordentlich Spaß gemacht.
Warum ich das alles schreibe?
Nun, bei Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhatten ist das leider nicht so.
Tatsächlich scheint es das erste Spiel der Entwickler zu sein, dass in allen Bereichen höchstens Mittelmaß bietet.

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Kämpfe, Kämpfe, Kämpfe!

Dass die Story dabei keinen Preis gewinnen würde, habe ich ohnehin nicht erwartet. Und machen wir uns mal nichts vor, auch die anderen Geschichten aus erfolgreicheren Platinum Games-Marken sind bestenfalls okay.
Aber dass das Design des Spiels schon fast abschreckenden Charakter haben würde, damit konnte niemand rechnen.
Abwechselnd prügelt man sich mit seinen vier Turtles, wobei man einen aktiv steuert und die anderen von der KI übernommen werden, durch Stadtlevel, Kanalisationen, U-Bahnhöfe und dergleichen. Die Level sind monoton gestaltet und folgen so sehr Schema F, dass man sich manchmal bei der Frage ertappt, ob man genau dieses Level nicht schon vor 15 Jahren in einem anderen Spiel erlebt hat.
Die Stadtlevel sind dabei noch die kreativsten, das muss erwähnt werden, denn in diesen kann man sich halbwegs frei bewegen. Zum Beispiel Wände hochklettern, von Dächern springen und an Seilen entlang rutschen.
In allen anderen Leveln läuft man schlichtweg durch einen Schlauch oder eine verzweigte Arena.
Immer gleich: Unzählige Gegner müssen platt gemacht werden und kleinere Aufgaben erfüllt werden. Hat man derer vier bis fünf geschafft, kennt man den Standort des entsprechenden Level-Endbosses und darf sich an diesem versuchen.

Hinderlich dabei ist eigentlich nur die KI der anderen Schildkröten. Die kennen das Wort Variation nämlich erst gar nicht und kloppen immer stupide auf den Boss drauf. Was bei den Standardgegnern funktioniert, geht bei den End- und Zwischengegner gehörig in die Hose.
Und so kommt es auch mal vor, dass man den selben Boss mehr als einmal versuchen muss, nur weil die KI es versemmelt.
Das ist sehr schade und auch das Einbinden bekannter Charaktere wie Rocksteady, Bebop, Krang und natürlich Shredder, täuscht darüber nicht hinweg.

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Wer kann, sollte das Spiel auf jeden Fall im Mulitplayer spielen. Das ist zwar nicht im Splitscreen möglich, aber immerhin Online. Dabei macht dann das Spiel auch etwas mehr Spaß, denn gerade das Kampfsystem ist sonst sehr solide. Das kann Platinum Games nun mal.
Sie erreichen zwar nicht annähernd die Brillanz sonstiger Ableger, aber es funktioniert gut bis sehr gut. Die Schildkröten steuern sich alle unterschiedlich genug und haben mit entsprechenden Spezialfähigkeiten auch noch etwas im Panzer, das sie voneinander abhebt.
So kann Leonardo zum Beispiel einen Heilkreis beschwören und damit die Gruppe stärken, während Raphael sich tarnen kann.
Das sind kleinere Details, die das Geschehen auflockern und etwas taktischen Tiefgang in den sonst so unspektakulären Button-Smasher bringen.
Eine Taste für leichte Angriffe, eine für schwere und einen Konter- beziehungsweise Abwehrknopf, mehr gibt es leider nicht.
Die Kämpfe können die ersten eins, zwei Stunden durchaus Spaß machen, aber danach verliert man unweigerlich die Lust – selbst im Multiplayer.
Zum Glück dachten das auch die Entwickler: Nach vier – fünf Stunden flimmert der Abspann über den Bildschirm.

Technik

Technisch gesehen ist TMNT: Mutanten in Manhatten zumindest kein Reinfall, aber ebenfalls nur Durchschnitt. Während der Cel-Shading-Look passt, täuscht er langfristig doch nicht über die niedrig aufgelösten Texturen, leeren Level und die geringe Auswahl an Gegnertypen hinweg.
Die Bildrate bleibt immerhin stets stabil, was ein großer Pluspunkt ist.
Der Soundtrack schwankt leider zwischen erträglich und super nervig. Ungelogen: Die letzten Level hatte ich den Sound ausgeschaltet und hörte lieber Musik.
Die Synchronsprecher klingen ebenfalls so motiviert, als hätten sie als Bezahlung einen Einlauf versprochen bekommen, weswegen sie sich entschieden den Text via Telefonat einzusprechen.
Katastrophal, was man uns von Activision da zumutet, anders kann man es nicht beschreiben.

FAZIT

Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhatten war das erste Spiel seit Ewigkeiten, das ich nach einer Weile nicht mehr spielen wollte. Vielleicht weil man in letzter Zeit so sehr von hochkarätigen Spielen wie Doom, Uncharted 4 oder Overwatch verwöhnt wurde, vielleicht aber auch weil dieses Platinum Games-Spiel so sehr „Cash-In“ schreit, also auf den kommenden Turtles-Film hoffend schnelles Geld generieren möchte.
Auf jeden Fall aber, weil es so verdammt schlecht bis durchschnittlich in allen möglichen Bereichen ist, dass es nach einer Weile einfach keinen Spaß mehr macht.
Hätte dieses kurze Spiel eine UVP von 10 €, meine Bewertung oder sogar der ganze Test wäre womöglich positiver ausgefallen. TMNT: Mutanten in Manhatten wäre dadurch als Spiel nicht besser geworden, aber die Erwartungshaltung wäre eine geringere. Für 49,99 € (!) ist das vorliegende Spiel allerdings ein kräftiger Schlag ins Gesicht, von dem ich abraten muss.

Also: Holt euch lieber Teenage Mutant Ninja Turtles: Turtles in Time, das war ein richtig gutes Turtles-Spiel!

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2 Comments

  1. In dem Fall ein lachendes und ein weinendes Auge. Platinum kann das besser – und ich war froh als es vorbei war.
    Dennoch vierzig Euro für so wenig Spiel?
    Ist deshalb auch in den negativen Punkten aufgeführt….

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