Testbericht: de Blob 2

Alles fing im Herbst 2006 mit The Blob an. Bei dem kostenlosen Projekt einiger holländischer Studenten musste man eine seltsame Kreatur durch ein 3D-Stadtszenario geleiten und ganze Straßen sowie Häuser mit Farbe füllen. THQ und die Entwickler von Blue Tongue fanden die Idee so gut, dass sie sich diese schnappten und daraufhin exklusiv für die Wii ein vollwertiges Spiel machten. 2008 erschien der Titel unter dem Namen de Blob, blieb aber trotz positivem Presseecho hinter den Verkaufserwartungen zurück. Doch THQ scheint nach wie vor an den knuffigen Helden zu glauben, denn kürzlich wurde de Blob 2 veröffentlicht – erstmals auch für Xbox 360 und PlayStation 3.

Der böse Genosse Schwarz

Vorweg sei betont, dass man für de Blob 2 keine Vorkenntnisse benötigt. Wer Teil 1 nicht gespielt hat, wird sich bei der Fortsetzung sofort zurecht finden. Denn die absolut knuffige Geschichte bringt zu Beginn sämtliche notwendigen Details näher. Letztendlich muss man eh nur wissen, dass der böse Genosse Schwarz in der ersten Episode offensichtlich nicht wirklich besiegt werden konnte. Denn nun plant er sein fieses Comeback. Erneut hat er der Welt die Farbe entzogen, um mit seiner Ink Corporation die Bewohner unter zu jochen. Folglich ist der Widerstand wieder gefragt! Und der Protagonist Blob macht sich mit seiner Kollegin Inky auf, um Genosse Schwarz ein für allemal zu bezwingen, gegen die bösen Lakaien mit den Namen Tintis zu kämpfen und die armen Graulinge, die Bewohner des skurrilen Fantasy-Landes, zu retten. Die Story wird überaus charmant und sympathisch vermittelt, was vor allem an den sehr lustigen Zwischensequenzen liegt. Diese erinnern stellenweise an Ubisofts Rabbids – und das sicher nicht zufällig. So oder so muss man natürlich einen gewissen Faible für familienfreundliche Geschichten haben, denn häufig gibt sich de Blob 2 schon etwas infantil und albern. Wer sich darauf einlässt, wird aber garantiert seinen Spaß haben.

Jede Menge zu tun

Abgesehen von der neuen Geschichte, frischen Schauplätzen und einer präzisieren Steuerung hat sich auf den ersten Blick bei de Blob 2 kaum etwas gegenüber dem Vorläufer geändert. Nach wie vor handelt es sich um ein recht konventionelles Action-Plattform-Spiel, das durch den Aspekt der Farbe gehörig aufgelockert wird. So müssen sämtliche Gebiete, die von Genosse Schwarz in traurige Schwarz/Weiß-Schauplätze verwandelt wurden, wieder koloriert werden. Dazu macht sich der Blob auf, wälzt sich in Farbtümpeln oder Wasserfällen, um mit seinem weichen Körper wieder kunterbunt zu machen. Das klingt sicher einfach, ist im Spiel aber deutlich facettenreicher. Denn zahlreiche Missionsziele wurden dem Titel spendiert. So muss man die Graulinge retten, Häuser in bestimmten Farben bemalen  oder Gegner auf simple Art und Weise bekämpfen. Sogar einige Endbosse sind mit von der Partie.

Die Sache mit der Farbe ist aber ohnehin etwas diffiziler: Der zähflüssige Protagonist kann nur eine bestimmte Menge von Rot, Gelb, Orange, Blau usw. aufnehmen, ist der Vorrat aufgebraucht, muss man schleunigst Nachschub suchen. Schlimmer wird es, wenn man aus Versehen in schwarze Tinte fällt – dann heißt es, schnellstmöglich Wasser aufzuspüren und sich zu reinigen, bevor man mehr Unheil anrichtet.

Ganz einfach

Richtig schwierig wird de Blob 2 trotzdem zu kaum einem Zeitpunkt. Fast hat man das Gefühl, als hätten die Entwickler nur das Ziel gehabt, ein „Feel-Good“-Erlebnis für die ganze Familie zu erschaffen. Dazu passt auch der neue, kooperativ spielbare Zweispieler-Modus. In diesem steuert der eine Teilnehmer den Blob, der andere hilft dem Helden mit Inky dabei, zum Beispiel Punkte und Boni zu sammeln. Das erinnert an das ebenfalls überflüssige Multiplayer-Beiwerk von Super Mario Galaxy – eine richtige Bereicherung ist das wirklich nicht. Immerhin ist der separate Party-Modus für zwei Leute ganz witzig, hier erfüllt man in de Blob mittels Splitscreen ein paar nette Missionen.

Aber zurück zu den Boni: Nach und nach kann man den Blob in seinen Talenten aufwerten, zum Beispiel seine Körpergröße verbessern oder eine Gegner-zerstörende Stampfattacke effizienter gestalten. Ernsthaft komplex ist das nicht, genauso existieren nicht viele sammelbare Objekte, die temporär verfügbar sind. Nur an fest vorgegebenen Passagen darf das Flutschmonster über Wasser laufen, die Gravitation manipulieren und dergleichen. Obwohl die Levels wirklich sehr weitläufig sind und sogar etliche Nebenaufträge zum Verweilen in den Abschnitten einladen, ist de Blob 2 ziemlich linear und überschaubar. Dafür ist die Gesamtspielzeit von locker 15 Stunden ausgesprochen ordentlich ausgefallen. Richtig clever ist übrigens die Idee mit der Orientierung in den Szenarien. Auf Wunsch schaltet man so etwas wie einen Kompass ein, der Hauptziele und fakultative Herausforderungen sofort darstellt.

Hübsch

Visuell kann man über de Blob 2 eigentlich nicht nörgeln. Das Art-Design ist erstklassig, egal ob die HD-fähigen Konsolen technisch mehr leisten könnten oder nicht. Aber das Spiel strahlt unglaublich viel Liebe zum Detail aus, da schaut man über manch Unzulänglichkeiten bei den Texturen hinweg. Dazu gesellen sich eine schöne Levelarchitektur in den 3D-Arealen, launige 2D-Parcours im so genannten Untergrund und putzige Animationen, die vom Blob höchstpersönlich zum Beispiel. Ein wenig vermisst man aber die Sprachausgabe, auf die leider komplett verzichtet wurde. Sonst aber werden die Ohren mit angenehmen Klängen und schnittigen Soundeffekten verwöhnt. Das passt alles prächtig zusammen.

Wer eine PS3 besitzt, kann de Blob 2 nicht nur wie auf der Xbox 360 in 3D genießen, sondern auch den Move-Controller verwenden. Dann aber bemerkt man die störrische Kamera und eine dezent ungenaue Kontrolle der Spielfigur. Allgemein empfiehlt sich die klassische Joypad-Steuerung, die endlich punktgenau funktioniert.

Gelungenes Sequel

Zwar ist der Schwierigkeitsgrad von de Blob 2 tatsächlich zu niedrig angesetzt und gegenüber dem Vorgänger vermisst man den WOW-Effekt, aber sonst gibt es nicht viel zu meckern. Das Spiel ist herzallerliebst, freundlich und aufgrund der tollen Spielideen eine Sehenswürdigkeit. Das Bekleckern ganzer Straßen und Häuser macht ungemein viel Spaß  und hält lange Zeit bei Laune. Klar, die wichtigsten Elemente wiederholen sich häufiger, aber damit können Action-Plattform-Fans ohne weiteres leben. Wer nur eine kleine Vorliebe für eigenwillige Abenteuer hat, sollte sich de Blob 2 nicht entgehen lassen. Klingt nach einer Floskel? Ist aber so!

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