Review Killzone 3 Einzelspieler-Modus

Diese Helghast sind einfach nicht klein zu kriegen. Schon wieder müssen die ISA-Truppen irgendwann in der fernen Zukunft gegen die stolzen und abstoßenden Patrioten kämpfen, die man am besten als Nazis in einem SciFi-Universum bezeichnen könnte. Und wie schon bei den Vorgängern setzt „Killzone 3“ auf kompromisslose und rasante Action.

Cineastisch?

Guerrila Games versprach uns eine cineastischere Geschichte. Und tatsächlich wird die Handlung durch etliche Zwischensequenzen vorangetrieben, sie geht aber zu keinem Zeitpunkt über die Banalität eines x-beliebigen Genrevertreters kaum heraus. „Killzone 3“ schließt nahtlos an den Vorgänger an, was bedeutet: Die guten ISA-Invasionstruppen wurden auf dem Planeten Helghan, der Heimat der Helghast, durch einen Atombombenanschlag überrascht. Die widerlichen Gegner nahmen dabei sogar Kollateralschäden bei der eigenen Bevölkerung in Kauf, nur um die ISA wieder zu vertreiben oder besser noch gleich auszurotten. Für die ISA hat das fatale Folgen: Die Soldaten werden quer auf dem Himmelskörper verteilt zurückgelassen, die Flucht von Helghan zurück zur Erde geht gehörig schief. Nun liegt es an den letzten Überlebenden, sich neu zu formieren und vielleicht die Helghast doch noch in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Patriotismus und Emotionslosigkeit stehen bei „Killzone 3“ auf der Tagesordnung, mit dem Protagonisten Sevchenko möchte man sich nicht wirklich identifizieren. Dafür fehlt es ihm sowieso an Glaubwürdigkeit und Profil.. Auch mit seinem Kumpel Rico, der in der Offline-Splitscreen-Koop-Kampagne von einem Freund übernommen werden kann, besitzt nicht wirklich so etwas wie Charisma. Über das verfügt immerhin der Schurke Stahl auf der Seite der Helghast, der als Industrieller ganz andere Ziele verfolgt als die Regierung des ISA-Feindes.

Alles in allem erzeugt die Story von „Killzone 3“ eher unzureichend Spannung aufgrund der Charaktere, vielmehr kommt Atmosphäre durch die eigentliche Action auf. Dennoch vermisst man eine gehörige Portion Tiefgang, sodass der Titel hier nicht in der Lage ist, sich inhaltlich von dem Genreeinheitsbrei abzuheben.

Action!

Nüchtern betrachtet gilt das auch für das eigentliche Gameplay, das mittlerweile altbekannt ist. Ihr ballert euch durch die Schauplätze, tretet gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner an und widmet euch hin und wieder abweichenden Herausforderungen. So nehmt ihr auf einem fahrenden Geschütz Platz oder steigt in einen schnieken Mech ein, um Fieslinge und Panzer mit Raketen zu zerlegen. Hin und wieder werdet ihr mit Scharfschützenissionen konfrotiert, gelegentlich steht auch das (optionale) Schleichen an. Abgerundet wird das Baller-Paket mit einem Ausflug ins All und einer Fahrt im Schneemobil. Das alles, auch in Kombination, hat man schon unzählige Male erlebt, zum Beispiel in den „Call of Dutys“ der letzten Jahre. Wirkliche Neuerungen hat „Killzone 3“ kaum zu bieten, hier hält sich Guerilla Games an die Shooter-Konventionen.

Zugute muss man dem Spiel aber einiges halten. So ist das Art-Design wie gewohnt eine Klasse für sich, die dieses Mal deutlich vielfältigeren Schauplätze wie z.B. die zerstörte Helghast-Hauptstadt, der fantasievolle Dschungel oder die eisige Schneewüste erzeugen tatsächlich eine gute Portion Flair. Zudem mangelt es objektiv gesehen nicht an Abwechslung aufgrund der verschiedenen Spiel-Elemente.

Nicht unerwähnt sollten die etlichen Optimierungen bleiben, die beim Vorgänger noch bemängelt wurden. Die indirekte und verzögerte Steuerung gehört endlich der Vergangenheit an, zudem spendierten die Macher einen zusätzlichen Waffenslot. Positiv hat sich ferner die KI der Gegner entwickelt, die nun clever in Deckung gehen, sich herumrollen oder aus dem Schutz heraus taktisch angreifen. So soll es sein! Nervig ist und bleibt die Tatsache, dass Feinde oftmals schlecht zu erkennen sind und man dazu gezwungen ist, fast schon stupide um sich zu feuern. Gerade in eher grauen Stadtgebieten sind die Helghast fast unsichtbar, was den Schwierigkeitsgrad unnötig in die Höhe treibt. Aufgrund mehrerer Herausforderungsstufen relativiert sich die Unfairness glücklicherweise etwas.

Gelungen

Nörgelei hin oder her – „Killzone 3“ hat viele große Momente voller Rasanz und Explosionskraft zu bieten, die den Titel in jedem Fall spielenswert machen. Jede Menge Kawumm sorgt für einen hohen Adrenalinpegel, da schaut man als Action-Liebhaber gerne über die dünne Story hinweg. Lobenswert ist übrigens nicht nur die hochwertige und absolut zeitgemäße sowie stellenweise beeindruckende Grafik, sondern auch die Tatsache, dass Guerilla Games mitgedacht hat: Eine alternative Joypad-Steuerung lässt einen „Killzone 3“ genauso wie ein „Call of Duty“ spielen, sogar der Move-Controller wird unterstützt. Die Bewegungssteuerung setzt aber sehr viel Einarbeitungszeit voraus, die sich vor allem für PC-Shooter-Fans lohnen könnte. Move dient dann als Art Maus-Ersatz, was schon eine praktische Sache ist. Konservative Zocker bleiben aber besser bei der Joypad-Kontrolle.

Beiläufig erwähnt: Sollte man einen 3DTV und eine stereoskopische 3D-Brille besitzen, kann man „Killzone 3“ auch in der dritten Dimension genießen. Dann halbiert sich aber die Bildauflösung, sodass der Titel dadurch an visueller Brillanz deutlich verliert.

Das zweite Herzstück von „Killzone 3“ ist wie bei seinem Vorläuger der Mehrspieler-Modus. Wieso in diesem die Koop-Kampagne nicht online genutzt werden kann, ist wirklich ein Rätsel. Dafür passt der Rests – wie gewohnt! In den etlichen Spielarten kommen die drei Support-Klassen (z.B. Sanitäter) zum Einsatz, der Fokus liegt allgemein sehr auf Teamplay. Das ist schön, aber auch Deathmatch-Anhänger kommen endlich auf ihre Kosten. Zusätzlich können neue Klassen und Austrüstungsgegenstände freigeschaltet werden, dank eines integrierten Level- bzw. Erfahrungssystems. Anfänger sollten sich für die neuen Bot-Duelle entscheiden, hier übt man dann für die „echte“ Schlacht im Internet.

Gute Fortsetzung

Das Wort emotionslos trifft wohl am besten auf „Killzone 3“ zu. Das Spiel macht Spaß, keine Frage. Trotzdem vermisst man etwas das Herzblut und die gefühlsbetonte Leidenschaft der Entwickler. Stattdessen ist die hanebüchene Story voller Klischees und Patriotismus nur ein Beiwerk, um Spielern ein audiovisuell hochwertiges Actionfeuerwerk zu servieren. Sämtliche Spielelemente sind bewährt und bekannt, offenbar waren die Designer nicht motiviert, mal neue Wege einzuschlagen. Wirklich anspruchsvolle Spieler werden daher mit „Killzone 3“ nicht ganz glücklich sein. Wer dagegen nach „Call of Duty: Black Ops“ und vielleicht sogar „Medal of Honor“ neues Nobrainer-Shooter-Futter für seine PS3 wünscht, macht mit dem Kauf nichts verkehrt, zumal auch der Multiplayer wieder viele Wochen begeistern dürfte.

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