Tethered

Die Göttersimulation Tethered erschein bereits im letzten Jahr für PlayStation VR, wo sie leider einfach an uns vorbei gegangen ist. Wir nehmen uns die Veröffentlichung der “Untethered”-Fassung, also jener Version, die man auch ohne Sonys Virtual Reality-Headset spielen kann, zum Anlass, um das Spiel endlich mal zu testen. Ob der Titel sich lohnt, soll der folgende Text klären.

Kümmere dich um die Peeps!

Egal ob mit VR oder ohne, die Aufgabenstellung und das Spieldesign bleiben gleich: In der Rolle eines Gottes betrachtet man eine von mehreren im Spiel enthaltenen Inseln aus der Distanz und muss sich um kleine, Gremlin-artige Wesen, die sogenannten Peeps kümmern, die nach und nach aus Eiern schlüpfen und sowohl mit Nahrung versorgt, als auch beschäftigt werden wollen. Um diese durchaus putzigen Wesen schlüpfen zu lassen, muss man entweder – man ist ja immerin ein Gott – einen Sonnenstrahl auf das entsprechende Ei lenken, oder einen anderen Peep drauf setzen. So oder so, die Eierschalen platzen schnell auf und die Bevölkerungsanzahl steigt.

Man kann jeden der Peeps einzeln auswählen und ihnen Aufgaben zuweisen. Dementsprechend schnell wird einer auf Nahrungssuche geschickt, während der andere sich ein mysteriöses Artefakt anschaut. Dabei behält man den Überblick durch kleine blaue Linien, die die Marschroute der Wesen anzeigen. Und das ist auch bitter nötig, denn ist eine Aufgabe erfüllt bleiben die Kreaturen einfach stehen und tun nichts mehr. Wird ihnen irgendwann langweilig kann sich ihr Gemütszustand ändern und sie können sogar Selbstmord begehen, indem sie sich von der Insel stürzen. Doch soweit wollen wir es ja nicht kommen lassen.

Also brüten wir ständig neue Peeps aus, weisen ihnen Aufgaben zu, und beobachten das Gewusel. Nahrung wird geerntet, Felder können bestellt, Holz von einem nahegelegenen Wald besorgt, Felsen in einem Steinbruch abgebaut werden, usw. Mit den entsprechenden Rohstoffen kann man im weiteren Spielverlauf dann neue Gebäude, wie ein Ratshaus, Kasernen oder sogar ein Gasthaus bauen, indem sich die Peeps ausruhen können – Super für die Gesundheit oder den Gemütszustand.

Scheint eine Stelle der Insel – die im Laufe des Spiels immer größer und von mehr Peeps bevölkert werden – unerreichbar, kann man sich als Gott wiederum die Macht der Elemente zu Nutze machen. Über der Insel schweben Wetterwolken, die zum Beispiel Sonnenschein, Wasser oder auch Schnee und Eis bringen können. ist die Wolke angeklickt und ein Zielbereich ausgewählt, kann man so beispielsweise einen Fluss zufrieren lassen, um neue Marschrouten für die kleinen Geschöpfe zu erschaffen.

Neigt sich der Tag dem Ende zu, ändert sich das Spielprinzip minimal und eine neue Gefahr kriecht über die Insel…

Kampf den Schnecken!

Denn nachts ist die Insel alles andere als sicher. Riesige Schnecken befallen den Lebensraum der Peeps und wollen nicht weniger als sie zu verspeisen und zu töten. Da die putzigen Kreaturen nicht sehr wehrhaft sind, sind sie mit der drohenden Gefahr nicht überfordert. Zum Glück kann man sie im Rathaus nicht nur Rollen zuweisen, die den Abbau von Rohstoffen beschleunigen, sondern am Totem auch zu Kriegern ausbilden lassen. Diese sind wie geschaffen, um die Kreaturen der Nacht zu vertreiben und die anderen zu beschützen. Verletzungen kann man – wie bereits erwähnt – im Gasthaus heilen lassen, oder man lagert dort direkt einige Peeps ein, um sie zu sichern.

Da die Kämpfe selbst allerdings nicht direkt beeinflusst werden können – auch hier wählt man eines der Wesen aus und klickt dann auf den entsprechenden Gegner – werden diese schnell monoton und einfach nur lästig. Und so gibt es nichts schöneres, als wenn sich der Himmel zartrosa verfärbt und man den Sonnenaufgang bewundern darf. Dann ziehen sich die überlebenden Gegner zurück und die Peeps sind fürs erste in Sicherheit.

Der Weg ist das Ziel

Doch wofür macht man das Ganze eigentlich? Nun, für jede erfolgreiche Aktion gibt es Seelenenergie, die in Form kleiner Kugeln durch die Luft schwebt. Diese kann man mittels Viereck einsaugen und so dem Totem, das als Erinnerung an die eigene Präsenz auf der Insel steht, gutschreiben lassen. Das Ziel ist es in jedem Level eine gewisse Anzahl dieser Energie zu sammeln. Hat man das geschafft – wofür genügend Aufgaben erfüllt werden müssen – ist die Welt abgeschlossen und es geht in die nächste.

Leider macht sich hier schnell Ernüchterung breit. Denn auch wenn die Welten immer größer werden und man sich um mehr Bewohner gleichzeitig kümmern muss, bleiben die Aufgaben im Kern gleich. Und so spult man routiniert die immer gleichen Abläufe runter, bereitet sich auf die Nacht vor und beginnt danach von vorne. Schade, dass sich die Insel auch vom Aussehen nur wenig unterscheiden. So hat man nach drei – der immerhin 13 Level – den Eindruck bereits alles gesehen zu haben.

Und wo wir schon bei der Kritik angekommen sind… Während man die VR-Version wunderbar bedienen kann, indem man die Wesen auswählt, in eine Richtung schaut und ihnen dort die entsprechende Aufgabe zuweist, wird die Nicht-VR-Fassung mittels des Gyrosensors gespielt. Das ist fummelig, nervig und einfach nicht präzise. Nach zehn Minuten antesten, bin ich wieder zur PS VR-Fassung gewechselt.

Knuddelig und süß trifft unaufdringlich

Die Grafik des Spiels ist solide, mehr aber leider nicht. Was beim Spielen der Standard-Version stören kann, beeindruckt allerdings in VR. Die Immersion und das Gefühl als Gott über einer Insel zu schweben und gleichzeitig alles im Blick behalten zu können ist grandios. Beugt man sich ein Stück nach vorne, kann man den Peeps bei ihren Aktivitäten zusehen und sich an dem wundervollen Diaorama-Design sattsehen. Hier stören die grafischen Defizite kein bißchen, sondern alles wirkt stimmig und durchaus hübsch anzusehen.

Die Musik und die Soundeffekte sind gut gelungen und laufen entspannt im Hintergrund. Störend empfand ich dabei keines der Stücke, nur vielleicht zu unaufdringlich. Soll heißen: Da blieb nichts im Ohr haften.

FAZIT

Tethered ist ein durchaus gelungenes Aufbaustrategiespiel/Göttersimulation, die richtig viel Spaß machen kann. Richtig empfehlenswert finde ich allerdings nur die PS VR-Version. Hier funktioniert die Steuerung besser und das Spiel wirkt durch seine Größe schlichtweg beeindruckender. Wer also ein PS VR-Headset besitzt, sollte zuschlagen, alle anderen sollten zumindest die Demo-Version anspielen, die es im Store gibt. Kaufen müsst ihr im Übrigen nur eine Version. Dort könnt ihr jederzeit wechseln zwischen VR und Standard.

Leider ist der Titel langfristig sehr repetitiv und bietet nur wenig Neues. Strategie-Experten werden die mageren Optionen womöglich belächeln, aber für Einsteiger ist Tethered eine sehr gute Wahl.

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