Filmecke: The Great Wall

Auch wenn der Sommer vor der Tür steht und nicht wenige sich bei diesem Wetter lieber im heimischen Garten als vor dem Fernseher aufhalten, kommen aktuell doch viele Blockbuster auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D in den Handel, beziehungsweise Verleih. Wir haben uns das Fantasyabenteuer The Great Wall angesehen und wollen euch  folgend verraten, ob sich der filmische Ausflug an die chinesische Mauer lohnt.

Zur Handlung

In dem von Regisseur Zhang Yimou (Hero, House of Flying Daggers) inszenierten Fantasy-Epos folgen wir einer Gruppe von Söldnern, die es auf der Suche nach dem legendären schwarzen Pulver, das eine unglaublich zerstörerische Macht besitzen soll in das nördliche China verschlagen hat. Einem Angriff der Nomaden mit Mühe und Not entkommen, dezimiert noch in der selben Nacht ein mysteriöses Wesen die angeschlagene Truppe. Als einzige Überlebende des Angriffs retten sich William (Matt Damon) und sein treuer Begleiter Tovar (Pedro Pascal) an die chinesische Mauer, wo sie auch direkt von Elitesoldaten des Kaisers festgenommen werden.

Als ein Angriff die darauffolgenden Verhandlungen unterbrechen, werden die beiden Europäer kurzerhand in Ketten gelegt und mit auf die Mauer genommen. Dort staunen sie nicht schlecht, handelt es sich bei den Soldaten doch um perfekt geölte Getriebe eines Vertedigungsmechanismus, der das Kaiserreich vor den Tao Tei genannten, mythischen Kreaturen beschützen soll, die alle 60 Jahre mit unerbittlicher Kraft angreifen. Unzählige dieser Wesen greifen die Mauer an und letztlich sind es auch William und Tovar, die durch Mut und außergewöhnliche Fähigekeiten im Umgang mit Pfeil und Bogen überzeugen können.

Great Wall Action

Als sich die Tao Tei vorerst zurückziehen sind es Kommandant Lin Mae (Tian Jing) und der Dolmetscher und Stratege Wang (Andy Lau), die um die Hilfe der Fremden bitten. Doch William und Tovar verfolgen weiterhin eigene Ziele. Von Ballard (Willem Dafoe), der sich seit einiger Zeit ebenfalls in Gefangenschaft der Chinesen befindet, erfahren sie nämlich, dass im Lager des Generals riesige Mengen Schwarzpulver versteckt sind. Und so wollen sie den nächsten Angriff der Kreaturen abwarten, um im Durcheinander unentdeckt fliehen zu können. Als es schließlich so weit ist, muss sich William entscheiden, ob er sein Heil in der Flucht suchen möchte, oder ob es Dinge auf dieser Welt gibt, für die es sich zu leben lohnt.

The Great Wall

Wo die Handlung gerade zu Beginn noch zu gefallen weiß, verliert sich die Dramaturgie irgendwann in Beliebigkeit. Die Charakterentwicklung ist höchstens skizzenhaft vorhanden und so überrascht es zwar nicht, aber ist doch enttäuschend, dass man zum großen Finale hin nicht mehr mitfiebert. Dass ist natürlich schade, zumal Matt Damon (Bourne-Reihe) dauerhaft unterfordert wirkt und selbst Pedro Pascal (Game of Thrones) sich nur in den Actionsequenzen austoben darf. Nicht falsch verstehen, sie alle machen einen hervorragenden Job, genauso wie Andy Lau und Tian Jing, aber die Voraussetzungen fürs Schauspiel sind nur selten gegeben. Was mich direkt zu Willem Dafoe führt… Seine Rolle bietet so wenig Spielraum, die Besetzung ist einfach nur verschwendet. Schade darum, denn diese eindimensionale Gestalt hätte man mit jedem xbeliebigen Schauspieler besetzen können.

Aber bei The Great Wall handelt es sich ja auch nicht um ein emotionales Kammerspiel, sondern um ein Action-Fantasy-Abenteuer. Und an dieser Stelle läuft so ziemlich alles richtig. Zhang Yimou inszeniert fantastische Massenschlachten mit waghalsigen Kamerafahrten, Sprüngen und perfekt choreografierten und so Tänzen gleichenden Actionsequenzen. Auch wenn man an den Tao Tei sieht, dass nicht allzu viel Geld in die CGI geflossen ist, so stört das unterm Strich nur selten.  Denn dank seiner Vorliebe für die Nutzung von Statisten ist man auf dieser Seite eben unwahrscheinlich beeindruckt, wenn sich hunderte Menschen über die schier endlose Mauer schlängeln. Da die Soldaten gemäß ihrer Rollen zudem in unterschiedlich eingefärbte Rüstungen gekleidet sind, kann man sie nicht nur besser auseinanderhalten, sondern auch der eigentliche Schauwert der Bilder wird erhöht.

Gutes Tempo

Ohnehin sind die Bilder so beeindruckend, dass man sich am Ende des Filmes schließlich fragt wohin die letzten 103 Minuten verschwunden sind. Klar mag man nicht allzu sehr an den Charakteren hängen, deren Entwicklung von vorneherein klar zu sein scheint, aber das generell Tempo lenkt einen davon eben auch ab. Man kommt während des Schauens gar nicht dazu sich Gedanken über so etwas “belangloses” wie die Handlung zu machen, so sehr ist man damit beschäftigt die Setpieces und Massenschlachten zu genießen. Aber auch die wenigen ruhigen Momente können überzeugen. Wenn im Rahmen einer Beerdigung tausende papierne Lampignons in die Lüfte steigen, weiß die Kamera das perfekt einzufangen.

FAZIT

The Great Wall ist ein kurzweiliger Filmspaß, der womöglich von einer längeren Spielzeit hätte profitieren können. So kommt die Charakterentwicklung zu kurz und man ist am Ende nicht allzu sehr in die eigentliche Handlung involviert. Dafür gehören die epischen Massenschlachten mit zum besten, was man in letzter Zeit aus der Traumfabrik Hollywood zu sehen bekommen hat. Wer sich nicht an den durchwachsenen CGI-Effekten stört und an tollen Köstumen, Landschaften und Kulissen Gefallen findet, sollte dem Film auf jeden Fall eine Chance geben.

The Great wall Action

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