Thimbleweed Park – Review

Das Adventure Thimbleweed Park versteht sich als Reminiszenz an die Goldene Zeit der Point-and-Click-Adventures, die von den späten 80ern bis in die Mitte der 90er in den Diskettenlaufwerken von Millionen von Spielern landeten.
Die unbestrittenen Meister auf diesem Gebiet nannten sich LucasArts, und Ron Gilbert war ihr ungekrönter König: Maniac Mansion, Day of the Tentacle und The Secret of Monkey Island sind nur einige der unvergessenen Klassiker, die auf das Konto von Gilbert und seinen Kollegen gehen. Keine drei Jahre ist es nun her, dass genau dieser Ron Gilbert auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter einen geistigen Nachfolger des Spiels ankündigte, das 1987 das Genre der Grafik-Adventures revolutioniert hat: Thimbleweed Park lautete der Name des Titels, der nicht nur grafisch, sondern auch spielerisch an das legendäre Maniac Mansion anknüpfen möchte.

Irgendwo zwischen Akte X und Twin Peaks

Es war ganz sicher keine dumme Idee, sich für die Hintergrundgeschichte von Thimbleweed Park von TV-Serien inspirieren zu lassen, die zur selben Zeit Erfolge feierten, als auch LucasArts‘ Grafik-Adventures auf dem Höhepunkt ihrer Popularität waren. Und so erinnert das Setting um die beiden FBI-Agenten Angela Ray und Antonio Reyes, die in das kärgliche Städchen Thimbleweed Park kommen, um einen mysteriösen Mord aufzuklären, nicht von ungefähr an das Ermittlerduo Fox Mulder und Dana Scully, während die von malerischen Bergen umringte Kleinstadt Erinnerungen an David Lynchs alptraumhafte Mysterieserie Twin Peaks wachwerden lässt.
Doch keine Sorge: Ganz so düster und abgründig geht es in Thimbleweed Park natürlich nicht zu: Auch der Humor des Retro-Adventures folgt nämlich ganz dem Stil der klassischen LucasArts-Abenteuer und versteht es, seinen Spielern ein Dauerlächeln aufs ins Gesicht zu zaubern, was nicht zuletzt an den hervorragend geschriebenen Texten liegt.

Drei weitere Charaktere werden im Verlauf der Handlung spielbar: ein verhaltensauffälliger Clown, eine Programmiererin, sowie deren Vater, der als Geist sein Dasein fristet. Nicht nur die Hintergrundgeschichte sondern auch viele Rätsel bauen auf dieser Vielfalt an Figuren auf: Dass diese nämlich unabhängig voneinander agieren können, ist für einige Rätsel unabdingbar und stellt den Spieler vor so manche interessante Kopfnuss. Nur der Logik der Handlung ist es zugegebenermaßen nicht gerade zuträglich, wenn eine Figur – scheinbar ohne jede eigene Motivation – eine Tätigkeit ausführen muss, die einer anderen Spielfigur, an einem anderen Ort, zugute kommt, was sich gerade in der Schlussphase des Spiels zu einem ernsthaften Manko entwickelt.

Ganz wie damals

Bei der Bedienung folgt Thimbleweed Park ebenfalls ganz den Vorbildern von vor zwanzig Jahren oder mehr: Das heißt: Eine Liste von Verben ermöglicht unterschiedliche Aktionen mit der Umgebung und den Objekten im Inventar des Spielers. Der erscheint zwar weniger intuitiv als die visuellen Symbole, die in neueren Point-and-Click-Adventures der Standard sind, ist dem Retro-Gefühl aber allemal zuträglich. Letzteres gilt aber auch für die wunderschöne Pixelart-Grafik von Gary Winnick, der ebenfalls schon an Maniac Mansion und anderen Klassikern des Genres beteiligt war. Diese bedient sich moderner Farbpaletten und Lichteffekte, um wunderbar stimmungsvolle Umgebungen auf den Bildschirm zu zaubern, versteht es allerdings zugleich, die ausgesprochen lebendig animierten Charaktere so aussehen zu lassen, als bestünden sie aus wenigen Pixeln und bewegten sich auf einer technisch rückständigen Plattform.

Bei all dem Lob lässt sich ein Aspekt aber nicht ignorieren: Dass Thimbleweed Park seinen Charme nur dann voll und ganz entfalten kann, wenn der Spieler eine gewisse Bindung zu seinen Vorgängern mitbringt. Wer die alten Spiele aus der Goldenen Zeit der Grafik-Adventures nicht kennt, kann mit Thimbleweed Park zwar noch immer seinen Spaß haben, wird gewisse Anspielungen und Witze aber schlicht und einfach nicht verstehen. Und auch sonst kann man dem Spiel vorwerfen, dass es etwas zu sehr auf die Nostalgie-Karte setzt und dem Genre sonst kaum etwas Neues hinzuzufügen hat.

Thimbleweed Park – Fazit

Wer damit leben kann, dass die vorherrschende Währung in Thimbleweed Park „Nostalgie“ ist und gern noch einmal ein Abenteuer wie in den 80ern und 90ern erleben möchte – der bekommt genau das: Ein sehr gutes Point and Click Adventure mit wenigen Mängeln, welches das Rad zwar nicht neu erfindet, aber all die Stärken der Vergangenheit in moderner Form noch einmal aufleben lässt. In dieser Hinsicht ist Thimbleweed Park ein charmantes Kleinod mit viel Liebe fürs Detail, das Spielgefühl und Grafik der guten alten Zeit originalgetreu ins Jetzt holt.

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