Tokyo Jungle / Review

Was passiert, wenn der Mensch sich von der Erde verabschiedet hat? Richtig, die Tiere übernehmen (wieder) den Planeten. Und genau dies ist kurzgefasst die Geschichte, die der Spieler in „Tokyo Jungle“ präsentiert bekommt. Ob es Spaß macht, in die Rolle von ca. 50 verschiedenen Tieren zu schlüpfen, oder ob es gut ist, dass man diese Erfahrung nicht mehr machen kann, da man als Mensch ja nicht mehr auf diesem Planeten weilt, das könnt ihr in unserem Review erfahren!

 

Wie gesagt, die Menschheit wurde ausgerottet, die Städte verfallen langsam und die Tiere bevölkern nach und nach die Erde. Die Aufgabe des Spielers in „Tokyo Jungle“ ist nun, das Überleben der eigenen Tierart zu sichern und sich fortzupflanzen. Zu Beginn des Spiels stehen hierbei gerade einmal zwei Tierarten zur Verfügung. Ein Spitz, der die Rolle des Fleischfressers verkörpert und eine Hirschart, die natürlich als Pflanzenfresser auftritt. In den einzelnen Spielbereichen gilt es nun, Nahrung zu suchen, sich vor feindlichen Tieren in Sicherheit zu bringen, oder diese einfach auszuschalten. Weiterhin muss Ausschau nach einem Partner gehalten werden, um sich fortzupflanzen und für weitere Generationen zu sorgen.

Nimmt man Nahrung auf, steigen nach und nach die Gesundheit und andere Werte des eigenen Tieres. Gleiches gilt auch, wenn man sich gut versteckt oder andere Tiere im Kampf besiegt. Gerade dann, wenn man einen Pflanzenfresser spielt, hat man es deutlich schwerer, als wenn man sich für die Rolle der Fleischfresser entscheidet. Essbares ist dann nämlich deutlich schwerer zu finden. Zudem hat man es schwerer, sich gegen Raubtiere zur Wehr zu setzen usw..
Hohe Grasbüschel bieten beispielsweise Möglichkeiten, um sich in ihnen zu verstecken. Wird man von einem anderen, feindlichen Tier gesehen, macht es Jagd auf den Spieler und es kommt zum Kampf. Dieses kann man auch als Pflanzenfresser überleben, meist jedoch mit sehr wenig Gesundheit. Diese ist dann wieder aufzufüllen, halt durch Fressen und andere Möglichkeiten.
Fleischfresser haben es natürlich leichter, denn es laufen immer sehr viele andere Tiere durch die einzelnen Levelabschnitte. Jedes Tier darf man daher indirekt als Nahrung ansehen, natürlich sollte man sich gut überlegen, ob man mit einem kleinen Spitz zwingend einen Wolf angreifen möchte…

 

Das Spiel gibt grundsätzlich Aufgaben vor, die man erfüllen muss. Mal soll man 6 Pflanzen fressen, ein anderes Mal an einer gewissen Anzahl von Tieren vorbei schleichen oder aber ein Gebiet komplett entdecken. Dies steigert die Werte des eigenen Tieres und damit auch das Ansehen, welches es bei möglichen Partnern bekommt. Bei diesen sollte man immer darauf achten, dass sie von „höherer Qualität“ sind, im wahren Leben gibt man sich auch nicht mit dem nächstbesten Partner zufrieden.
Habt ihr euch vermehrt, schlüpft ihr in die Rolle der nächsten Generation etc.. Es gilt dabei dann immer, dass man sich rechtzeitig paaren sollte, nicht dass die eigene Rasse ausstirbt.

 

Im Laufe des Spiels schaltet man sehr viele neue Tierarten frei, die man danach auch spielen darf. Einige Tiere sind jedoch nur als kostenpflichtiger Download im PSN zu bekommen, PlayStation+-User bekamen zudem noch diverse Unterarten und andere Fellfarben kostenlos spendiert.
Neben den Tieren schaltet man auch andere Dinge frei, an denen man jedoch sehr schnell merkt, dass das Spiel asiatischen Ursprungs ist. So gibt es z.B. eine Schuluniform, die man danach seinem Tier anziehen darf. Aus meiner Sicht vollkommen sinnfrei, aber das ist nun meine persönliche Einstellung.

 

Sammeln darf man übrigens auch diverse Dinge, die erzählen, warum die Menschheit ausgestorben ist. Ob dies jedoch eines der Tiere interessieren würde, wenn dieses Szenario wirklich eintreffen sollte, wage ich zu bezweifeln. Auch hier wurde dann doch ein wenig zu viel menschlicher Aspekt in Hinsicht auf die Spieler ins Game gebracht.

„Tokyo Jungle“ sieht leider nicht sehr gut aus und hätte so auch auf der PS2 erscheinen können. Die Tiermodelle sind recht simpel ausgefallen, so hätte z.B. Fell wesentlich schöner dargestellt werden können. Auch die Levelabschnitte wirken allesamt sehr trist und grau, zudem sehr linear. Eine „Open World“ wäre für diesen Titel sicher die bessere Lösung gewesen.
Wer optisch schon nicht begeistert ist, der bekommt spätestens den Rest, wenn er den Soundtrack hört. Wummernde Technobeats, die sich zudem noch sehr oft wiederholen, sorgen schon im Tutorial dafür, dass man mit blutenden Ohren vor dem Bildschirm sitzt. Wer weiß, vielleicht berichten die Fundstücke, die über das Aussterben der Menschheit berichten ja davon, dass alle Menschen durch zu starken Blutverlust aus den Ohren verstorben sind, nachdem sie „Tokyo Jungle“ gespielt haben?
Die Steuerung ist recht simpel, Jagen, Verstecken, Fressen etc. hat man schnell im Griff.

[box type=”note” size=”large” style=”rounded” border=”full”]Fazit: „Tokyo Jungle“ macht zwar kurzweilig Spaß, kann jedoch auf lange Sicht hin nicht überzeugen. Der Umfang ist durch die Sammelei und das Freispielen neuer Tierarten zwar recht groß, jedoch macht man im Spiel dann doch immer das Gleiche. Die technische Umsetzung ist jedoch alles andere als gelungen. Die Optik ist veraltet und trist und der Sound eine Katastrophe. Warum man dann Tiere in Klamotten stecken kann, die man findet, wissen wohl nur die Entwickler. Ich finde es schon schlimm, wenn im echten Leben kleine „Hunde“ (ich habe hier immer das Problem, dass ich Gullirutscher nicht gerne als „Hund“ bezeichne) in irgendwelche Textilien gestopft werden, nur weil es dem Menschen (einigen) besser gefällt. Dies dann aber in einem Spiel fortzusetzen, in dem die Menschen (endlich?) von der Erde verschwunden sind, muss nicht sein. „Tokyo Jungle“ konnte mich nicht überzeugen, zumal mir zu viele Tiere als kostenpflichtiger Download aufgeschwatzt werden sollten![/box]

 

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