VR Karts

Leider sind richtig gute Funracer auf der PlayStation 4 noch immer Mangelware. Egal wie sehr man sich auch das Gegenteil wünschen mag, Nintendos Konsolen scheinen die einzigen Orte für qualitativ hochwertige Spiele dieser Art zu sein, mit Mario Kart als kultigem und absolut spaßigem All Time Favorite. Doch jetzt ist augerechnet für Sonys Virtual Reality-Headset PlayStation VR ein Spiel erschienen, das diese Lücke ausfüllen möchte. VR Karts heißt der Titel, der mit schöner Comicgrafik, Power-Ups und Einzel- und Multiplayer-Modi auftrumpfen möchte. Ob das gelungen ist, soll der folgende Test klären.

Auf die Plätze…

Entwickler Viewpoint Games macht offenbar gar keinen Hehl aus dem großen Nintendo-Vorbild. Vom Sounddesign, bis hin zum Aufbau der Strecken erinnert stark an die Wettrennen, die sich Mario und Co. auf ihren Go Karts liefern. Doch der große Unterschied ist, dass man VR Karts der virtuellen Realität zuliebe aus der Ego-Perspektive spielt und dementsprechend direkt hinter dem Lenkrad Platz nimmt. Das sorgt direkt für eine schöne Immersion und wird auch sonst toll umgesetzt. Bereits im aufgeräumten Hauptmenü wählt man die verschiedenen Modi aus, indem man auf die entsprechenden Punkte schaut und mit X bestätigt. Will man zum Beispiel einen Cup fahren, blickt man selbstverständlich auf den großen goldenen Pokal.

Das funktioniert alles sehr gut und zeigt, dass die Steuerung optimal an Sonys Headset angepasst wurde. Hat man sich für einen Spielmodus entschieden – Zeitrennen, Einzelrennen, Meisterschaftsrennen, Online-Rennen – muss man nur kurze Ladezeiten in Kauf nehmen und ist kurz darauf schon auf der entsprechenden Piste unterwegs.

VR Karts Gameplay

Fertig …

Okay, fast. Denn beim ersten Mal spielt man eine Handvoll kurzer Tutorialrennen, um sich mit den verschiedenen Steuerungsoptionen vertraut zu machen. Während man mit R2 Gas gibt und mit L2 bremst, kann man sich dank des Headtrackings jederzeit frei umsehen. Dazu stehen einem einmal die Seitenspiegel zur Verfügung, es ist aber auch möglich einfach den Kopf nach hinten zu drehen. Das ist natürlich ein tolles Gefühl, birgt aber auch Gefahren, wie zum Beisspiel ein plötzliches Verlassen der Piste.

Doch sollte das passieren, sammelt man einfach auf den Strecken verteilte Booster auf, die man per Knopfdruck einsetzen kann, um an Geschwindigkeit zu gewinnen. Booster lassen sich dabei einige viele einsammeln, deren Wert dann auf einer vor einem auf dem Tacho sichtbaren Boosteranzeige addiert werden. Den Balken kann man also jederzeit “leerfahren” aber auch wieder auffüllen. Mit vollem Geschwindigkeitsschub um eine Kurve zu düsen fühlt sich in VR richtig cool an und, wenn man eine sitzende Position eingenommen hat, auf jeden Fall auch irgendwie real.

Doch wie langweilig wäre es gegen fünf weitere Gegner anzutreten, diese aber einfach nur überholen, beziehungsweise rammen zu können? Diese Frage hat man sich bei Viewpoint wohl auch gestellt und einen kurzen Blick Richtung Nintendo geworfen. Dementsprechend gibt es auch in VR Karts Power Ups einzusammeln, um seinen Gegnern – egal ob von der künstlichen Intelligenz oder menschlichen Spielern gemimt – einheizen zu können. Egal ob Rakete, Steuerungsstörung oder Bienenkorb: Drückt man einen Knopf wird ein Zielvisier aktiviert und man kann den Gegner via Kopfbewegung anvisieren. Cooler war Zielen in einem Kartspiel schon lange nicht mehr! Natürlich darf man sich auch über Schutzschilde freuen oder Minen nach hinten fallen lassen – Schadenfrohes Grinsen garantiert.

Los!

Leider krankt es etwas am Umfang. Insgesamt gibt es aktuell nur 12 Strecken, die man befahren kann. Das ist auf Dauer zu wenig und da hilft es auch nicht, dass man alle Strecken nochmals in höherer Geschwindigkeit durchfahren kann. Diese Level sind zwar allesamt schön und abwechslungsreich gestaltet, aber unterm Strich hätten sie auch länger ausfallen dürfen. Dennoch ist es ein schönes Gefühl in VR durch verfallene Schlösser oder am Strand entlangzufahren.

Wer will kann seinen Charakter und sein Kart auch anpassen. Zumindest bietet das Spiel dafür ein extra Menü, indem man seinem Kart und seiner Fahrermontur samt Helm neue Farben verpassen kann. Außerdem gibt es zahlreiche Accessoires, wie verrückte Brillen, Hüte und Aufkleber, die man auswählen kann. Ist ganz nett, ändert aber letzlich nichts an der Spielerfahrung. Zumal diese optischen Anpassungen auch eher im Multiplayer zur Geltung kommen.

Und der ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn man andere Spieler findet und im Rennen ist, macht es richtig viel Spaß. Wie in jedem Kart-Spiel/Funracer ist es die beste Erfahrung gegen andere menschliche Spieler anzutreten, aber leider findet man nicht immer solche Gegner. Von 20 Versuchen konnte ich drei Spiele finden und das trotz langer Wartezeit. Das ist natürlich schade, liegt aber wohl an der Verbreitung des Spiels und Headsets. Wir hoffen, dass sich das bald ändern wird.

Technik & Sound

Grafisch gibt es nicht viel auszusetzen. Da alles in diesem putzigen Comiclook gehalten ist, braucht man zwar nicht allzu viele Details zu erwarten, aber dennoch wirkt alles wie aus einem Guss. Das Spiel läuft flüssig und die Welten sind abwechslungsreich. Das Headtracking funktioniert einwandfrei und auch die sonstigen Steuerungsoptionen kommen gut zur Geltung. Wer will steuert im Übrigen ganz normal via Gamepad, man kann aber auch alternativ das Kart via Controllerbewegungen steuern. Dazu bewegt man den DualShock 4 einfach wie ein Lenkrad in die entsprechende Richtung. Funktioniert zwar soweit gut, hat uns aber doch frustriert, da die Karts so schneller übersteuern.

Der Soundtrack ist unauffällig und verliert sich schnell in Gedudel. Dafür passen die Motorensounds und die Attacken von Power Ups. Unterm Strich alles sehr stimmig.

FAZIT – VR Karts

VR Karts ist ein spaßiges Spiel, mit dem man einige Zeit verbringen kann. Es ist ein schöner Kandidat um anderen Spielern den Erstkontakt mit der virtuellen Realität zu vereinfachen, aber auch ein toller “Eine Runde geht noch”-Titel. Leider sind 12 Strecken dann doch auf Dauer zu wenig und die Server noch zu leer. Sollte sich letzteres ändern, wird VR Karts auch noch langfristig auf unserer PS4 laufen.

Ansonsten hoffen wir auf neue Strecken in DLC-Form. Das wäre ein toller Service, um den Titel auch in Zukunft interessant zu halten. Einziges Problem und eine bittere Pille: Das Spiel kostet für PS VR knapp 40 €. Das ist einfach zu viel für den gebotenen Umfang, zumal die Oculus Version gerade mal 14,99 € kostet. Woran das liegt? Keine Ahnung…

2 Gedanken zu „VR Karts“

  1. Leider sind die 12 Strecken in gerademal 2 Szenarien eingereiht. Burg und Strand und sehen im Grunde alle mehr oder weniger gleich aus. Für den Preis leider zu wenig geboten! Sonst aberbgut gelungen und umgesetzt!

  2. Genau das. Es macht Spaß und ist gut gelungen. Aber die Abwechslung fehlt. Zumindest für den hohen Preis für PS VR. 14,99 € (für die PC-Version) ist da tatsächlich ein richtig guter Preis für das Erlebnis. 🙂

Schreibe einen Kommentar