Review WET für Xbox 360

Rubi sieht rot. Blut ihrer Feinde klebt an ihrem Gesicht. Ihre Mimik ändert sich schlagartig, in ihr Wut macht sich breit. Die Stimmung kippt. Gleich bekommen die Ganoven, Drogendealer und Waffenschieber dieser Welt ihre Packung. Die schwarzhaarige Amazone, Protagonisten des Action-Krachers WET lädt nochmal ihre Waffen durch und stürmt anschließend auf die ahnungslose Gangstermeute.


 

 

Legt euch nicht mit Rubi an

Kompromisslos, schonungslos und ohne jede Furcht. Drei Eigenschaften, die die Anti-Heldin Rubi Malone treffend beschreiben. Die freiberufliche Auftragskillerin aus dem Action-Videospiel WET ist für jeden schmutzigen Job zu haben – vorausgesetzt die Kohle stimmt. Normalerweise jagt sie die bösen Buben und bringt diese dann zur Strecke. Doch dieses Mal kommt alles anders. Als sie zu tief die kriminellen Machenschaften des Drogenkartells Triumvirat eintaucht, wird sie zur Zielscheibe eines skrupellosen Gangsterbosses. Der schreckt noch nicht einmal vorm Mord Rubis weniger Freunde zurück. Ein großer Fehler, denn Rubi schwört Rache und bereitet einen blutigen Feldzug vor.

Die Ironie dahinter

Kann so eine voller Klischees triefende Hintergrundgeschichte die Spieler bei Laune halten? Die Antwort fällt kurz und knapp aus: Sie kann. Denn im Grunde ist WET eine witzige Hommage an die Actionfilme der Siebzigerjahre. Wirklich kein Aspekt des Spiels nimmt sich ernst, weder Handlung noch die darin vorkommenden Charaktere.  Die überzogene Gewaltdarstellung, die in der gekürzten deutschen Version arg entschärft wurde, ist nur Mittel zum Zweck. Der typische Retrofilmcharakter, mitsamt des Filmkorns und Rotstichs, zeigt visuell, wohin die Reise geht. Unterstützt wird das blutige Abenteuer darüber hinaus durch einen astreinen rockigen Soundtrack. Alles zusammen ergibt ein stimmiges Bild, das WET eine eigene, sympathische Note verleiht.

Der Spaß im Vordergrund

Nicht nur die Handlung macht eindeutig klar: Spaß steht in WET an erster Stelle. Dementsprechend simpel gestaltet sich der Spielablauf. Ihr befördert mit Katana und Revolvern (später auch mit Schrotflinten, Uzis und Armbrüsten) allerlei Ganoven über den Jordan. Damit auch nach der x-ten Kampfszene keine Langeweile aufkommt, haben die Entwickler ein motivierendes Punktesystem eingebaut. Rubi ist nämlich eine wahre Meisterturnerin. Aus dem Hechten schießen? Für die schwarzhaarige Maid kein Problem. Atemberaubende Wallruns? Ihr beliebt zu scherzen. Nutzt Rubi einen akrobatischen Trick aus ihrem später zunehmenden Portfolio, so schaltet das Spiel automatisch kurzeitig in Zeitlupe. Das erleichtert euch das Anvisieren der Gegner enorm. Cool: Die Manöver lassen sich mit richtigem Timing kombinieren und damit eure Punktezahl in die Höhe schnellen.

Money, Money, Money

 

Die erzielten Punkte fristen nicht auf irgendeiner Highscore ein trauriges Dasein, nein, ihr investiert diese in die Verbesserung Rubis Fähigkeiten. Ihre Waffen sollen noch größere Löcher in die Körper der Feinde bohren? Null Problemo. Vorsichtige Gemüter investieren hingegen erst einmal in die Gesundheit der Amazone und spendieren ihr zusätzliche Lebensbalken. Eure Wahl sollte gut überlegt sein, denn nicht alle Fertigkeiten lassen sich bis zum Spielende meistern.

Rubis hässliche Seite

So hübsch Rubis Anlitz auch sein mag, über einige Schwächen kann es nicht hinwegtrösten. Entwickler Bethesda Softworks wagt bei der Charakterzeichnung zu wenig. Protagonistin Ruby bleibt während der etwa fünf – sechs stündigen Odyssee relativ profillos. Ihre Motivation, nämlich Rache für den Tod ihrer Freunde zu nehmen, wird nur oberflächig thematisiert. Kein Vergleich mit dem innerlich zerrissenen Cop  Max Payne. Ebenso schwach präsentiert sich die Grafik. Texturen und Detailgrad der Objekte bewegt sich auf dem Niveau von anno 2007. Von HD-Feeling keine Spur. Lediglich die Animationen können halbwegs überzeugen. Geteert und gefedert gehören die Entwickler ferner für die Belegung der Sprungtaste bei dem „Weiter“-Bildschirm. Prinzipiell kein Manko, nicht aber in WET: Es passiert nämlich oft, dass der aktuelle Spielstand neben einem Abgrund zwischengespeichert wird. Was damit einhergeht, könnt ihr euch vermutlich ja denken.

Fazit:

 

So ein Action-Feuerwerk hätte man Bethesda Softworks sicherlich nicht zu getraut. Das Team hinter den hervorragenden Rollenspielen The Elder Scrolls IV: Oblivion und Fallout 3 lässt mit WET ein brachiales Bleigewitter mit sexy Darstellerin auf die Zockergemeinde los. Schade nur, dass die Charaktere zu platt daherkommen. Das können die Schöpfer der oben genannten Titel doch eigentlich besser. Ebenso negativ auf die Atmosphäre wirken sich die Schnitte von der USK aus, zumal die übertriebene Gewaltdarstellung karikiert wird. Wen der simple Spielablauf nicht abschreckt und wer darüber hinaus ein Faible für die Filme von Quentin Tarantino hat, darf bei WET getrost zuschlagen.

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