Yooka-Laylee

Selten viel es mir so schwer einen Titel objektiv zu bewerten, wie im Fall von Yooka-Laylee, das sich selbst als geistigen Nachfolger der in den 90er Jahren von Rare entwickelten Jump’n’Runs sieht. Die Spieleschmiede, die sich einst mit dem großartigen Banjo-Kazooie selbst übertraf, gehört mittlerweile zu Microsoft, während ein Großteil der ehemaligen Mitarbeiter sich als Playtonic Games zusammengefunden haben, um uns eine Reise zurück in die Spielevergangenheit zu spendieren. Warum das gleichzeitig zu fast 100 % geglückt ist, mir aber mitunter trotzdem sauer aufgestoßen ist, soll der folgende Test klären.

Yooka & Laylee

Den titelgebenden Helden Yooka und Laylee – ein gewitztes Chamäleon und eine vorlaute Fledermaus – geht es nicht unbedingt schlecht. In den schön hergerichteten Trümmern eines Piratenschiffs hausend, genießen sie strahlenden Sonnenschein und ein unbeschwertes Leben, bis eines Tages ihr wertvollster Besitz, ein geheimnisvolles Buch, wie von Zauberhand geführt in die Lüfte schwebt und davon fliegt. Auf dem Weg verliert es nicht nur alle Seiten, sondern es steuert auch direkt auf den Firmensitz des Geschäftsmannes Capital B zu. Zeit also für das ungleiche Duo sich auf die Suche nach ihrem Eigentum zu machen, für den Spieler die Kontrolle über die beiden zu übernehmen und sich auf die Suche nach den verlorenen Seiten, Pagies genannt, zu machen. Dass Capital B finstre Pläne verfolgt, ahnen die beiden dabei noch nicht und so stolpern sie – und somit auch wir – in ein kunterbuntes und gefärhliches Abenteuer.

So viel an dieser Stelle zum Auftakt des Spiels und der grob angedeuteten Handlung, die sich genau so präsentiert, wie man es von einem solchen Titel erwarten würde. Sie mag niemals mehr als Mittel zum Zweck sein, wird aber auf so sympathische Art und Weise erzählt, dass man ihr dennoch bis zum unvermeidlichen Finale folgen möchte. Leider stößt hier direkt ein erster Kritikpunkt auf, der mich anfangs bis an den Rand der Verzweiflung trieb. Wie auch in Banjo-Kazooie oder Star Fox wird in Yooka-Laylee eine Fantasiesprache gequasselt, die auf Dauer einfach nur auf die Nerven geht. Während man diese Abschnitte im Großteil des Spiels überspringen kann, um dann in Ruhe einfach den Text zu lesen, muss man sie in den Zwischensequenzen komplett ertragen. Irgendwann mag man sich ein Stück daran gewöhnen, aber das man diese “Sprache” nicht einfach in den Optionen ausschalten kann, ist schon mehr als grausam. Aber gut, ein Spiel soll ja überwiegend mit seinem Gameplay überzeugen…

Springen, Kugeln, Schießen, Erkunden, Sammeln

Und das tut es! Nicht nur, dass die Entwickler bei Playtonic eine liebevoll gestaltete Hub-Welt kreiert haben, die verwinkelt genug ist, um Dutzende Geheimnisse für all jene bereit zu halten, die sich der Erkundung widmen wollen, sondern es gibt auch viele abwechslungsreiche Welten, die zwar dem üblichen Schema folgen (Dschungelwelt, Eiswelt, usw…) und nur mittels gesammelter Pagies freigeschaltet werden können, aber groß genug sind, um als kleine Open World-Abschnitte zu gelten. Hier verstecken sich wiederum so viele Aufgaben, Gegenstände und liebevoll gestaltete Figuren und Gegner, dass man beim Spielen problemlos den zweistelligen Stundenzählerstand erreicht, möchte man wirklich alles sammeln und entdecken.

Doch der Reihe nach. Neben den wichtigen Pagies gibt es in jeder Welt auch Federn zu sammeln, die als Pendant zu Münzen oder Notenschlüsseln anderer Jump’n’Run-Reihen zu betrachten sind, und mit denen sich beim zwielichtigen Händler Trowzers neue Fähigkeiten freischalten lassen. Diese sind umso wichtiger, insofern da Yooka und Laylee zu Beginn wirklich nur mit den rudimentärsten Moves starten. Wer eine Stampfattacke, Gleitflug, oder die Fähigkeit haben möchte sich zu einer Kugel zusammenzurollen und so besonders steile Abhänge hoch zu kommen, muss Federn investieren. Das motiviert zum Sammeln und wird dringend benötigt, wenn man vorankommen möchte. Denn immerhin sind viele Aufgaben erst dann zu bewältigen, wenn man die richtige Fähigkeit erworben hat.

An dieser Stelle krankt das Spiel leider ein wenig mit den Erklärungen. Klar, gab es früher keine erleichternde Wegfindung oder ähnliches und ich wünsche mir auch gewiss keinen goldenen Pfeil, der mir den richtigen Weg zeigt. Aber wenn ich auf einem Vorsprung stehe und ein Pagie in unmittelbarer Nähe erkennen kann, dann wäre es schon nett zu wissen, ob ich nur zu blöd bin, um es zu erreichen, oder ob ich das Level verlassen, in einem anderen Level Federn sammeln, Fähigkeiten erwerben und zurückkommen muss. Mit dieser Ungewissheit kann – und muss – man natürlich leben, mich persönlich hat es gerade zu Beginn des Abenteuers aber sehr gestört.

Sonst stecken die Level voller Überraschungen, versteckten Pfaden, geisterhaften Wesen, den sogenannten Ghostwritern, der Möglichkeit zur Verwandlung des Helden-Duos in etwas völlig anderes und Mini-Spielen. So kann man beispielsweise Retro-Spiele freischalten, in denen man um einen Highscore oder sogar im Multiplayer mit anderen spielen kann. Die Mini-Spiele machen dabei alle sehr viel Spaß und sind schön gestaltet, weswegen die ein oder andere Stunden durchaus auch mal dafür draufgehen kann.

Im Übrigen lassen sich die Level allesamt sogar nochmals erweitern. Verlässt man eine der Welten, kann man Pagies investieren, um neue Spielbereiche, Aufgaben und Herausforderungen freizuschalten. Es gibt also viel zu tun!

Die Probleme vergangener Zeiten

Wo sich Yooka-Laylee rein spielerisch und vom Umfang bisher kaum eine Blöße gegeben hat, muss es in einigen Punkten doch Kritik einstecken. Da wäre zum einen die Kamera, die man zwar meist mittels des rechten Sticks nachjustieren kann, die aber mehr als nur zickig ist. Oft schwenkt sie automatisch um und zeigt so ziemlich alles, nur nicht das, was man sehen möchte, beziehungsweise sollte. Auch die Kollisionsabfrage ist nicht immer gelungen. So werden Sprünge mitunter zur ziemlichen Geduldsprobe oder das Einsammeln von Boostern funktioniert einfach nicht, obwohl man sie genau trifft. Das mögen zwar Probleme sein, die es schon immer in Jump’n’Runs gab, aber bei aller Nostalgie: Diese Fehler hätte man im Jahr 2017 nicht reproduzieren müssen.

Auch technisch ist das Spiel nicht komplett auf der Höhe. In der von uns getesteten PlayStation 4-Fassung läuft das Spiel bei 30fps und dennoch muss man sich an Ruckler gewöhnen und ein Einbrechen der Framerate. Der erste große Patch konnte einige Fehler bereits ausbügeln und zumindest die vormals auftretenden Abstürze des Spiels weitestgehend beseitigen, aber so richtig rund läuft das Spiel dennoch nicht. Die Grafikkulisse indes sieht solide bis gut aus, die Animationen wissen zu überzeugen, aber die Texturen sind stellenweise extrem verwaschen und einfach nicht zeitgemäß. Zweckmäßig ist hier das Zauberwort. An dieser Stelle sieht man eben, dass der Titel via Kickstarter finanziert wurde und das Budget knapp bemessen war.

Dafür überzeugt der Soundtrack. Die Stücke mögen sich zwar schnell mal wiederholen, sind aber abwechslungsreich und erzeugen jenes Rare-Gefühl, das jeden Spieler zurück in die Nintendo 64-Zeiten versetzt. In dieser Hinsicht ist Yooka-Laylee der Sprung in unsere Zeit perfekt gelungen.

FAZIT

Trotz der erwähnten Fehler und Macken ist Yook-Laylee ein tolles Spiel. Es ist ein liebevoll gestalteter und umfangreicher 3D-Plattformer, der zu einer Zeit erscheint, in der solche Spiele leider kaum noch produziert werden. Diejenigen, die Lust auf ein ordentliches Jump’n’Run haben, sollten direkt zuschlagen, alle anderen sollten zumindest einen Blick riskieren. Denn an die Kamera und Steuerung gewöhnt man sich und selbst die Sprachausgabe kann man irgendwann halbwegs ausblenden. So bleibt dann unterm Strich etwas zurück, das viel mehr wiegt, als jeder Designfehler: Nämlich eine ganze Menge Charme und Spielspaß.

Yooka-Laylee wurde dank eines von Team17 bereitgestellten Codes für die PlayStation 4 getestet.

 

 

 

 

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